Etappen Camino Frances, Teil 3: von Boadilla del Camino bis Leon

Du bist so mittendrin in der Meseta. Ganz ehrlich: ich habe diese Strecke nur ein einziges Mal gemacht, für mich ist diese Landschaft nichts. Aber wenn du den ganzen Weg gehen willst, dann musst du hier durch. Und wer weiß: vielleicht ist genau diese eintönige Landschaft, der Staub, die Tristesse genau das Richtige für dich. Nicht lenkt ab und du konzentrierst dich auf dich selbst….

Vom morbid-zerfallenen Boadilla geht es weiter durch die karge Landschaft. bald gelangst du an einen Kanal, der dich eine ganze Weile begleitet, und zwar ziemlich genau bis Fromista. Die hübsche Kirche lohnt einen Besuch, ansonsten ist’s recht öd hier. Wenn du magst: es gibt ein nettes kleines ethnographisches Museum. Und ein paar ganz nette Restaurant (Tipp: Hosteria de Los Palmeros).

Immer dem Pfeil nach

Immer dem Pfeil nach

Vielleicht eine nette Abwechslung, denn auch die heutige Etappe ist recht eintönig. Vielleicht solltest du dich für die Nebenroute entscheiden, die in den meisten Reiseführer auch erwähnt ist. Die führt nach einiger Zeit auf der Landstraße bis nach Villalcazar de Sirga. Hier steht nicht nur eine Templerkirche, der Weg dorthin ist wenigstens auch ein wenig abwechslungsreicher. Der Umweg: rund 5 Kilometer.

Am Horizont siehst du bereits das Gebirge Picos de Europa, oft auch im Mai noch schneebedeckt. Keine Angst: da musst du nicht hoch. Nach ein paar Kilometern kommst du in Carrion de los Condes an, mit einem schön gelegenen Kloster, das man auch besichtigen kann.



Booking.com

In Fromista nicht verpassen:

  • Kirche in Fromista
  • Ein gutes Buch
  • Nettes ethnographisches Museum von Rodolfo Puebla

Du bist auch weiter in der Meseta unterwegs, das Gelände ist nicht schwer und recht eintönig. Heute kannst du mit 37 Kilometern richtig Strecke machen. Das jedenfalls wäre meine Empfehlung. Aber: unterwegs gibt es wenige bis keine Bars, also sorge für ausreichend Wasser und pack dir ein paar Äpfel ein.
Die Blicke heute sind etwas besonderes, denn du hast überall freeeeeie Sicht bis zum Horizont, egal wohin du blickst. Zunächst allerdings immer schön entlang der Autobahn, die aber nicht unbedingt überläuft vor Verkehr. Was soll man auch schon in der Meseta? Immerhin wohnen Menschen hier. Zum Beispiel in Terradillos de Templarios. Das Dorf liegt auf einer Erhebung, von der aus die namensgebenden Templer schon im Mittelalter die Gegend gut überschauen konnten. Die Templer-Symbolik findest du auch an der Wand der örtlichen Herberge.

Man darf auch mal ein Päuschen machen....

Man darf auch mal ein Päuschen machen….

Richtig viel los ist in dem Dorf heute nicht mehr, gerade mal 80 Seelen sollen hier leben. Glück gehabt: es gibt hier auch eine Bar. Der weitere Weg ist ausgedehnt unspektakulär und bleibt auf jedem Meter in etwa so wie auf dem Meter davor. Bis Sahagun, einer netten Stadt mit einer vor allem von außen sehr hübschen Kirche. Interessant: in Sahagun gibt es das Santuario de la Peregrina, eine Kirche, die zu einem Museum umgebaut wurde. Thema: Pilgern. Wer Zeit hat, sollte hier vorbeischauen. Für das Abendessen gibt’s ein paar nette Restaurants am Plaza Mayor. 

In Sahagun nicht verpassen:

  • Santuario de la Peregrina
  • Kirche San Lorenzo
  • Restaurant El Ruedo am Plaza Mayor

Booking.com

Im Sommer ist es in der schattenarmen Meseta sehr heiß. Glücklicherweise hat die Lokalregierung zumindest auf dem Weg raus aus Sahagun eine ganze Menge Bäume gepflanzt, die es zumindest etwas erträglicher machen. Aber Achtung: es gibt auch eine Nebenroute nach Dorf Calzadilla de los Hermanillos. Nimmst du diese, musst du auf den Schatten verzichten! Kurz hinter Sahagun kommst du an einem legendären Ort vorbei. Hier sollen einst Truppen von Karl dem Großen gelagert haben, die am nächsten Tag in die Schlacht gegen die islamischen Besetzer zogen.

Brücke am Camino Frances

Brücke am Camino

Auf Seiten der Christen sollen rund 40.000 Menschen dabei ums Leben gekommen sein. Einige Soldaten sollen ihre Lanzen in der Erde stecken gelassen haben, die sich dann auf mirakulöse Weise in Bäume verwandelten. Wie auch immer: nach etwa 5 Kilometern erreichst du Calzada del Coto.

Wenn du Glück hast, ist hier vielleicht auch die Bar geöffnet, falls nicht, kannst du es in der knapp dahinter liegenden Ortschaft Bercianos del Real Camino versuchen. Beide Orte werden dir aber sicherlich nicht lange im Gedächtnis bleiben. Es folgt wenige Kilometer später El Burgo Ranero, dort gibt es auch mindestens zwei Herbergen. Nach El Burgo wird die Einöde noch einödiger, dazu wird es jetzt wirklich sehr knapp mit der Wasserversorgung. Die verbleibenden 13 Kilometer bis Reliegos sind staubtrocken: nimm dir gut gefüllte Flaschen mit!

Auf dem Weg nach Reliegos nicht verpassen:

  • Wasser! Wasser! Wasser!“



Booking.com

Du hast so langsam genug von der recht eintönigen Landschaft? Das kann ich gut verstehen. Tröste dich: so langsam wird es wieder etwas abwechslungsreicher. Wie gesagt: so langsam. Denn zunächst geht es wieder auf die staubige Piste bis Mansilla de las Mulas. Das Dorf ist an sich nichts besonderes, immerhin gibt’s einige Reste einer mittelalterlichen Mauer zu sehen. Du überquerst einen Fluss, läufst eine Weile auf der Nationalstraße und kommst durch die Siedlungen Villamoros und Puente de Villarente. Das eigentliche Highlight der Etappe ist das Finale: Leon.

San Isidoro

San Isidoro in Leon

Leon ist ein schönes und nicht ganz kleines Städtchen, das viele Jakobsweg-Pilger auch als Einstiegspunkt nutzen. Wer zum Beispiel nur 10 Tage Zeit hat, findet hier einen auch verkehrstechnisch sehr gut zu erreichenden Startpunkt.
Wunderschön und beeindruckend ist die Kathedrale San Isidoro, die du auf keinen Fall verpassen solltest. Übrigens: einige Forscher sorgten 2014 für Aufsehen, weil sie ausgerechnet hier den Heiligen Gral vermuten. Der Kelch wurde nach einigem Andrang zeitweise der Öffentlichkeit wieder entzogen. So viel Kultur macht natürlich hungrig. Gut, dass du in Leon gleich mehrere ausgezeichnete Tapas-Restaurants findest.

In Leon nicht verpassen:

  • Kathedrale San Isidoro
  • Heiliger Gral
  • Tapas-Bars in der Innenstadt
  • Museo Gaudí Casa Botines (Gaudi-Museum)



Booking.com