Die Etappen des Jakobswegs (Camino Frances), Etappen 9 bis 14

So langsam dürftest du auf dem Pilgern über den Camino Frances Routine entwickelt haben. Die ersten Etappen waren manchmal anstrengend, aber landschaftlich schön und wunderbar grün. Nun wird der Weg langsam anders, einfacher und flacher. Aber auch ganz langsam karger. Die Meseta deutet sich an. Vorher aber noch ein Highlight auf dem Weg: Burgos. Die Stadt wird neben Santiago de Compostela die einzige größere City sein.

Du startest heute zu deiner letzten Etappe durch das schöne Rioja. Azofra ist das erste kleine Dorf, das dir nach einer guten Stunde Marsch begegnet. Genau das richtige Eckchen für eine Frühstückspause – hier gibt es ausreichend Einkehrmöglichkeiten. Sogar einige Herbergen gibt es am Ort. In etwa der selben Distanz kommst du durch das Dorf Ciruena. Nicht wundern – hier reihen sich viele Häuser aneinander, die offenbar nicht bewohnt sind und zum Verkauf stehen. Eine der spanischen Investitionsruinen. Interessanter sind da schon die beiden Klöster San Millán de Yuso und San Millán de Suso in der Nähe. Doch bevor du den Umweg gehst: er ist zu Fuß doch ein wenig zu lang (etwa 20 km). Weiter 8 Kilometer später erreichst du dein Ziel für heute: Santo Domingo de la Calzada.

Santo Domingo vom Kirchturm

Santo Domingo vom Kirchturm

Ein schöner Ort mit einer interessanten Geschichte. Hier in der Kathedrale leben die Hühner, deren verwandte Vorfahren einst an einem Wunder beteiligt waren. Ein echtes „Must see“ des Jakobswegs. Der Kirchturm steht übrigens NEBEN der Kathedrale. Es lohnt sich, ihn gegen eine kleine Spende zu besteigen. Die Aussicht ist fantastisch.

In Santo Domingo nicht verpassen:

  • Die Kathedrale mit den Hühnern aus der Legende

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Du verlässt Santo Domingo de la Calzada über die Brücke, die vor Jahrhunderten von dem Heiligen Santo Domingo gebaut wurde. Sie ist recht eindrucksvoll, hat 16 Bögen und ist rund 150 Meter lang. Eine Weile gehst du in der Nähe der immer irgendwie präsenten Nationalstraße N-120 entlang. Dann geht es plötzlich nach links und du kommst in das Dörfchen Granon. Granon – besser gesagt die örtliche Herberge- ist berühmt für seine „Bewegung“, die den Pilgerweg zurück an seine Ursprünge bringen will. Es gibt mehrere Herbergen, die die Idee aufgenommen haben: man betont das christlich-spirituelle Orte, verzichtet auf allzu viel Luxus-Pilgerei und rückt die Gemeinschaft in den Vordergrund. Meist darf jeder Pilger selbst entscheiden, was er spenden will.

Auf dem Weg nach Belorado

Auf dem Weg nach Belorado

Nach Granon kommst du eine ganze Weile durch weite Felder und passierst kleine Dörfer, etwa Redecilla del Camino. Dies ist das erste Dorf in Kastilien. Danach folgen noch viele weitere kleine Ansiedelungen, von denen Belorado für viele der Endpunkt der Etappe. Übrigens gibt es in allen diesen Dörfern kleine Shops und Bars. Hotels oder Pensionen habe ich hier übrigens eher weniger gesehen

Auf dem Weg nach Belorado nicht verpassen:

  • Die Herberge von Granon
  • Die Brücke von Santo Domingo



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Die nächsten 24 Kilometer wirst du vor allem Bekanntschaft mit der Nationalstraße N120 machen.
Etwa 5 Kilometer nach Belorado kommst du durch Tosantos. Auch hier gibt es eine Herberge, die im Geiste von „Granon“ geführt wird. Nette Leute in einer extrem einfachen Behausung, man schläft auf Sportmatten. Trotzdem eine besondere Erfahrung (falls du danach suchst).

Herberge von Granon

Herberge von Granon

Zwei kleinere Dörfer mit den Namen Villambistia und Espinosa del Camino durchquerst du auf dem Weg, gute Gelegenheit zum Kaffeetrinken. Über die Brücke überquerst du den Fluss Oca, schon erreichst du Villafranca Montes de Oca. Das Ziel der heutigen, wenig spektakulären Etappe ist San Juan de Ortega, aber bis dahin sind es immerhin noch 12 Kilometer.



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Dein Ziel für heute: Burgos. Die schöne Stadt ist eine der wenigen großen Städte auf dem Camino Frances. Viele Pilger machen hier Station. Aber zunächst zum Weg dorthin:
Deine Etappe führt dich zunächst nach Agés, nur zwei Kilometer davon entfernt liegt Atapuerca. Hier wurden einst die ältesten bekannten Europäer entdeckt, na ja, zumindest die Nachlässe. Rund 800.000 Jahre sollen sie alt sein. Bei Atapuerca kommst du etwas ins Schwitzen, denn hier kletterst du eine kleine Erhebung hoch, auf dessen Spitze ein Kreuz, das „Kreuz von Atapuerca“ steht. Zeit für ein Standard-Foto also. Es folgen viele kleinere Dörfer, etwa Villaval, Cardenuela und Orbaneja. Fast überall gibt es Möglichkeiten für eine Kaffeepause. Über Villafria und damit leider auch über ein sehr hässliches Gebiet mit Industrieansiedlungen gelangst du in die Stadt Burgos. Die altehrwürdige Stadt wird dominiert von einer großartigen gotischen Kathedrale, auf deren Besuch du in keinem Fall verzichten solltest. Es gibt viel zu sehen – zum Beispiel das Grab des berühmten El Cid (wer nochmal nachlesen will, bekommt im Wikipedia-Artikel abendfüllende Informationen über El Cid)Burgos bietet aber auch neben El Cid und Kathedrale eine ganze Menge Unterhaltung und empfehlenswerte Restaurants, vor allem in der Nähe der Kathedrale und der dorthin führenden Einkaufsstraßen.

In Burgos nicht verpassen:

  • Die Kathedrale von Burgos mit dem Grab von El Cid
  • Kloster Cartuja de Miraflores: etwas raus aus Burgos. Kloster mit Königsgräbern
  • Nachtleben: Cerveceria Flandes. Netter Pub mit Riesen-Bierauswahl



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Genug von der Großstadt? Keine Bange: ab jetzt wird es so richtig……langweilig. Dies wird dein erster Tag in der Meseta, einer kargen Gegend, die man entweder aufgrund ihrer meditativen Stimmung liebt oder wegen ihrer Tristheit hasst. Nach wenigen Kilometern hast du auch die Vorstadt von Burgos hinter dich gelassen. Zwei Herbergen findest du noch in Tandajos, in Rabe de las Calzadas kannst und solltest du nochmal Wasser nachtanken und dann stehst du mitten in der Pampa.
Ab jetzt gehst du rund zwei Stunden stramm durch, unterwegs gibt es nichts allzu spannendes. Du landest in dem kleinen Kaff Hornillos del Camino (etwa Kilometer 20). Auch hier solltest du die Gunst der Stunde nutzen und pausieren, denn es dauert abermals gut drei Stunden bis zum nächsten Ort Hontanas. Dazwischen aber gibt es noch eine interessante Herberge, nämlich die von San Bol. Für viele Pilger ist dies ein echtes Highlight, an dem sie ihr Etappenziel setzen. Die Herberge ist sehr rustikal, Waschgelegenheiten gibt es, die Temperatur ist aber eher moderat 🙂 Wem das eine Spur zu rustikal ist, der geht weiter bis Hontanas und kann auch dort nächtigen.



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Es geht sicher wieder früh am Morgen los – vor allem in den heißen Sommermonaten auf dieser Etappe sehr sinnvoll, denn die wenigen Sträucher sorgen hier kaum für Schatten. Die heutige Etappe ist noch länger als die vom Vortag. Natürlich geht’s auch kürzer, wenn du möchtest. Doch die Strecke ist trist und wenig anstrengend, ich für meinen Teil gebe da meist etwas Gas. Etwa 5 Kilometer hinter Hontanas liegen die Ruinen des Klosters von San Anton de Castrojeriz. Ein magischer Ort, an dem im Sommer auch eine sehr rudimentäre Herberge zu finden ist. Freiwillig kümmern sich darum, die Atmosphäre ist sehr besonders – Lagerfeuer mit Gitarre inklusive. Wer ein wenig mehr Komfort möchte, der kann auch in Castrojeriz in einer Herberge schlafen (zum Beispiel „Ultreia“). Eigentlich aber, gibt es keinen Grund, hier zu bleiben. Also weiter. Alles flach hier? Schon, allerdings gibt’s da auch diesen Tafelberg direkt vor dir und zumindest heute morgen kannst du beim Besteigen mal ins Schwitzen kommen. Zum Glück geht es kurz danach aber auch wieder entspannt den Berg runter und du hast es auf recht einfachen Wegen bis zum nächsten Dorf recht gemütlich. Es heißt Itero de la Vega und hat sogar eine kleine Herberge zu bieten – falls du hier bleiben möchtest. Die Herberge ist in der Kirche, wo man im übrigen angeblich eine traditionelle Fußwaschung für die Pilger bereithält. Ob das wirklich noch der Fall ist, konnte ich allerdings nicht überprüfen, denn hier nächtige ich nie. 

Unterwegs auf dem Camino

Unterwegs auf dem Camino

Statt dessen geht es weiter durch die Meseta, immer nur Felder, Felder, Felder. Na, schon gelangweilt? Es bleibt noch eine ganze Weile so. Das Dorf Boadilla de Camino ist eine kleine Abwechslung fürs Auge, aber auch hier wird man wohl kaum Wurzeln schlagen. Aber dennoch: wahrscheinlich reicht es für eine Nacht.


Unterwegs nicht verpassen:

  • Kloster San Anton
  • Zumindest ein Kurzbesuch in der Herberge innerhalb der Ruine



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