Die Etappen des Jakobswegs (Camino Frances), Etappen 21 bis 23

 

Bevor es losgeht: ich persönlich habe nicht so viel Zeit, dass ich immer den ganzen Jakobsweg gehen kann. Geht es dir ähnlich und warst du noch nie Pilgern? Dann ist Leon meine Empfehlung als idealer Startpunkt für deine Kurzpilgerschaft. Leon ist aufgrund seiner Größe gut per Bus zu erreichen, praktisch von allen umliegenden Flughäfen. Von Leon aus kannst du Santiago in zehn Tagen gut erreichen.

Pfeil in Leon

Augen auf beim Weg aus Leon

Die hier vorgeschlagene Etappe ist mit 36 Kilometern recht lang. Wenn du schon eine Weile gelaufen bis, sollte es kein Problem sein, auch mal etwas länger zu gehen. Fängst du erst in Leon an? Dann solltest du nicht so hart anfangen und stoppst am besten zwischendurch.
Wenn du am Morgen los läufst, solltest du sehr genau nach Pfeilen Ausschau halten, man verirrt sich hier sehr leicht, vielleicht, weil die Geschäftsleute es auch genau so wollen. Du verlässt die Stadt über den Fluss, vorbei am Kloster. Du läufst eine Weile durch das Gewerbegebiet, endlich wird’s dann angenehmer fürs Auge. Der erste Ort hinter Leon ist Virgen del Camino, hier gab es angeblich vor Jahrhunderten eine Marienerscheinung. Danach musst du dich entscheiden, wo du heute nächtigen und wie weit du gehen willst: die kurze Variante geradeaus geht über Villadangos, wo du dann auch schlafen würdest. Leider ist die Strecke furchtbar, weil sie praktisch die ganze Zeit an der Nationalstraße entlang führt. Meine Empfehlung (aber dann auch 36 Kilometer insgesamt) führt über Villar de Mazarife. Das heißt für dich: nach links abbiegen!

Auf den Straßen vonLeon

Auf den Straßen von Leon

 Nach Villar läufst du entlang vieler Felder und kleiner Dörfer, hier und da gibt es mehrfach Möglichkeiten für eine Einkehr. In Villar angekommen hast du in etwa 22 Kilometer geschafft. Es gibt hier auch mehrere kleine Herbergen, du könntest also hier für die Nacht bleiben. Gehst du weiter, erreichst du irgendwann das Dorf Villavante, dort triffst du auf die Pilger, die die kürzere Streckenvariante genommen haben. An einem Kreisverkehr im Gewerbegebiet kommen beide Gruppen wieder zusammen. Gut 15 Kilometer bis Hospital de Orbigo musst du noch schaffen. Es gibt mehrere Herbergen vor Ort, ans Herz legen möchte ich dir die Albergue Karl Leisner. Dahinter steckt ein deutscher Pilgerverein. Du findest sie in der Calle Alvarez Vega 32, ein tolles Restaurant ist gleich in der Nähe (siehe unten).
Und hier noch eine kleine Anekdote zur mittelalterlichen Brücke in Hospital:Der Ritter Suero de Quiniones soll hier am Jakobstag 1434 unglaubliche 300 mal gegen Herausforderer bei einem Turnier angetreten sein und dabei alle Lanzen der Gegner zerbrochen haben. Zur Erinnerung finden hier jedes Jahr Ritterspiele statt.

 

Top-Tipps für die Etappe:

  • Tolles Restaurant in Hospital: La Encomienda (Calle Alvarez Vega 30)
  • legendäre mittelalterliche Brücke



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Du verlässt deine Herberge an diesem Morgen über die Haupstraße. Es gibt dann gleich zu Beginn zwei Varianten, die sich um etwa einen Kilometer unterscheiden. Der Weg nach rechts ist aber auf jeden Fall zu empfehlen, und wenn du alles richtig gemacht hast, erreichst du nach gut einer Stunde das Nachbardorf Villares de Orbigo. 

Du wanderst zwischen Wein umher, die Landschaft ändert jetzt langsam ihr Gesicht. Mein Versprechen: ab jetzt wird der Jakobsweg jeden Tag schöner!

Du kommst durch das Dorf  Santibanez de Valdeiglesias, dahinter geht es ein wenig bergauf Nun folgen Felder und Wald, am Horizont siehst du die Montes de Leon. 

Die Casa de los Dios

Die Casa de los Dios

Eine Besonderheit begegnet dir kurz vor Astorga: hier lebt David Vidal in seiner Casa de los Dios. David lebt hier seit einigen Jahren und verschenkt an seinem kleinen Stand Früchte und Getränke. Über die Jahre ist seine Behausung immer größer geworden, zwischenzeitlich wollte er den Ort sogar frustriert aufgeben. Offenbar hat er es sich wieder anders überlegt. Kurz nach Davids Behausung bist du in St. Justo de la Vega. Nach einer einer mittelalterlichen Brücke gehst du links weiter, schließlich an der Nationalstraße angekommen nach rechts. Astorga kündigt sich mit imposanten Stadtmauern an, du gehst einen etwas anstrengenden Weg hoch in die Stadt und stehst dort angekommen auch gleich mitten in der quirligen Altstadt, wo man Ausgrabungen nach römischer Vergangenheit bestaunen kann.

Der Bischofspalast von Astorga

Der Bischofspalast von Astorga

Wer nach dieser kurzen Etappe hier bleiben möchte, findet die Pilgerherberge auch gleich in der Nähe an der Plaza San Francisco. Ich für meinen Teil ziehe nach einer Kaffeepause traditionell weiter, mir ist das schlicht zu kurz.

Der Vollständigkeit halber sei aber auf den Bischofspalast der spanischen Architektur-Ikone Antonio Gaudi hingewiesen.

Wer weitergeht, hat nochmal gut 20 Kilometer zu gehen. Wenn dich unterwegs die Lust verlässt, kannst du aber an mehreren Orten stoppen und auch übernachten. Der weitere Weg ist noch etwas langweilig, du gehst durch die Margateria. Ganz hübsch ist es im Dorf Santa Catalina de Somoza, nur eine Stunde später bist du in El Ganso. Endlich erreichst du Rabanal del Camino, mit einer ausgesprochen atmosphärischen Pilgerherberge, deren Schlafsäle allerdings weit weniger romantisch sind. 

Top-Tipps für die Etappe:

  • Der Bischofspalast in Astorga
  • Die Casa de los Dios von David Vidal



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Am Morgen geht es zunächst recht gemächlich los, doch die Strecke wird immer hügeliger. Heute warten gleich mehrere Highlights auf dem Jakobsweg-Themenpark auf dich: das berühmte Cruz de Ferro und Majarin, einer der verrücktesten Orte des Weges. Für beide Orte solltest du etwas Zeit einplanen. Mein persönliches Highlight ist allerdings ein Ort, an dem die meisten wahrscheinlich eher achtlos vorbeigehen: der Brunnen kurz hinter Rabanal. Ich bin hier zu jeder Jahreszeit gewesen und halte immer eine kleine Weile hier. Und wer die minder gelungene Verfilmung von Kerkelings Buch gesehen hat, der erkennt vielleicht auch, dass die Film-Protagonisten hier ihre Füße baden (die Chronologie des Films stimmt hier nicht so ganz mit der geographischen Realität überein).

Brunnen bei Rabanal

Brunnen bei Rabanal

Nach den ersten Kilometern erreichst du zunächst einmal Foncebadon, einen Ort, den die frühe Jakobsweg-Literatur vor allem als gottverlassenen Flecken mit wilden Hunden beschreibt. Damit hat die Wirklichkeit allerdings längst nichts mehr zu tun. Vielmehr ist der Ort inzwischen recht lebendig und hat gleich mehrere Herbergen. Empfehlen kann ich die alternative Herberge, an der du in der Ortsmitte direkt links vorbeigehst. Aber es soll ja weiter gehen….. Etwa eine Stunde hinter Foncebadon erreichst du das Cruz del Ferro. Hier hinterlassen die Pilger seit vielen Jahren persönliche Lasten, die viele auch symbolisch als Stein oder was auch immer im Gepäck haben. Wenn du von Rabanal losgelaufen bist, wird sich der Andrang vermutlich noch in Grenzen halten. Gut für dich – denn zum Abladen von Lasten ist etwas Ruhe sicher nicht schlecht. Noch eine Viertelstunde weiter, dann erreichst du den Ort Manjarin, der eigentlich nur aus Ruinen und der Behausung von Thomas besteht. Der verschrobene Ex-Templer sieht sich als Templer.

Bei Thomas in Manjarin

Bei Thomas in Manjarin

Bei meiner ersten Pilgerreise traf ich gerade zu einer Zeremonie ein, als er zwei Schweden in vollem Templer-Ornat zu Rittern schlug. Na ja, wer’s mag…. Wer hier übernachten möchte: vielleicht überlegst du es dir lieber noch mal. Ab hier geht’s jetzt richtig schön bergab, bei schlechtem Wetter solltest du vor allem kurz vor El Acebo auf der Hut sein, denn hier ist es recht steil.

Das Cruz del Ferro

Das Cruz del Ferro

Kleine Pause gefällig?In Acebo findest du gleich am Ortseingang ein kleines Restaurant. Bis zum nächsten Ort bist du etwas mehr als eine Stunde unterwegs: in Riego de Ambros findest du auch eine Herberge, falls du schon ermattet sein solltest. Direkt hinter dem Dorf geht es etwas beschwerlich bergab und dann betrittst du ein wunderschönes Tal, das im Frühling ganz herrlich duftet („Nachtigallen-Tal“). Du bist recht schnell durch, überquerst eine Straße und bist dann einige Zeit später in Molinaseca. Ein wirklich hübscher Ort, den du über eine mittelalterliche Brücke betrittst. Obacht: Beim Blick über den Fluss, in dem du bei heißem Wetter auch gut baden kannst, kann man hier wirklich gut versacken….



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