Haus von David Vidal

David Vidal verlässt den Camino

UPDATE: Ein Pilgerfreund hat sich bei mir gemeldet. Er war im April 2017 auf dem Camino Frances unterwegs und hat David Vidal getroffen. Er hat sich mit ihm unterhalten und ihn zu seinen Plänen befragt. Die gute Nachricht: David bleibt in seiner Casa de los Dioses. Seine australische Freundin hat sich allerdings von ihm getrennt. ENDE UPDATE

David Vidal gehörte ohne Frage zu den bekanntesten Gestalten am Jakobsweg: kurz vor Astorga begrüßte er die durchziehenden Pilger an seiner „Casa de los Dioses“ mit Getränken, warmen Worten und oft einer herzlichen Umarmung. Viele fanden ihn sicher seltsam, andere sahen in ihm einen der Engel des Weges. Doch nun macht er Schluss. Nach fast acht Jahren hat David beschlossen, seinen wunderbaren Ort aufzugeben und den Camino zu verlassen.

Hört auf: David Vidal

Hört auf: David Vidal

David hatte sich einst in einer tiefen Lebenskrise in St. Justo de la Vega niedergelassen. Seine Handvoll Sachen brachte er in einer Ruine direkt am Wegesrand des Camino unter, auf dem Grundstück eines Bekannten. Ohne Wasser und Elektrizität lebte er dort von Spenden der Pilger, die auf ein Getränk bei ihm blieben. Im Laufe der Jahre gestaltete er das Areal mehr und mehr um, in letzter Zeit gesellte sich auch eine Australierin zu ihm und blieb. Doch unweigerlich und ohne es zu wollen, wurden er und sein Casa de los Dioses auch zu einem Teil des „Themenparks“ Jakobswegs mit allen negativen Begleiterscheinungen.

Daraus zieht er jetzt frustriert die Konsequenzen. In einem Video spricht er über die Gründe, beklagt die Kommerzialisierung des Weges und die zunehmende Heuchelei. Vielfach gehe es nur noch um Geld, so David. Gleichzeitig appeliert er an alle, auf die eigentliche Bedeutung des Pilgerwegs zu achten.

Wohin es ihn nun verschlägt, sagt er nicht. Aber er fühle, so David, dass sein eigener Weg ihn nun anderswo hinführe. Wer mag, kann sich das Video vom Radio Camino hier anschauen:

David spricht im Video davon, dass er den Ort verlassen wird wie er ist. Er will nichts mitnehmen und den Ort denen überlässt, die bleiben wollen. Er selbst fühle sich mit seiner Entscheidung glücklich, es sei, als falle eine schwere Last von ihm. Mein Lieblingssatz aus seinem Video: „Es ist nicht wichtig, was passiert. Wichtig ist nur, was wir daraus lernen“.

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