Meine wichtigsten Tipps für den Jakobsweg

Du hast dich entschlossen, den Rucksack zu packen und loszuziehen? Versprochen: Du wirst es bestimmt nicht bereuen. Aber ein paar Tipps für deinen Jakobsweg solltest du trotzdem beherzigen.

Auf dieser Seite habe ich dir ein paar generelle Dinge über den Jakobsweg zusammengestellt, die dir den Weg etwas näher bringen, dir aber auch ein paar falsche Erwartungen nehmen sollen. Zum Beispiel wie das mit den Herbergen auf dem Jakobsweg funktioniert oder welcher Zeitpunkt der richtige für deine Pilgertour ist. Natürlich ist das Ganze ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ich habe auch den Plan, hier Stück um Stück mehr Inhalt zu ergänzen. Übrigens: Falls du schon einen Schritt weiter bist und du dich vor allem fragst, was in deinen Rucksack gehört und welches Equipment du sonst noch brauchst, dann schaue mal hier.

Im Jahre 2017 waren
0 Pilger
auf dem Jakobsweg unterwegs
St. Jean Pied de Port

Was ist der richtige Zeitpunkt für den Jakobsweg?

Im Sommer ist traditionell sehr viel los auf dem Camino. Vor allem Spanier treibt es dann auf den Weg.
Den Zeitpunkt für deinen Camino solltest du also mit Bedacht wählen, damit er zu dem wird, was du dir wünschst.

Die Monate Juni bis August kann ich grundsätzlich nicht empfehlen. Fast 50 Prozent der Pilger sind in dieser Zeit unterwegs, die Herbergen sind dann ebenso wie der Camino selbst extrem überlaufen. Wenn du also diese Monate meidest, hast du schon mal einen großen Teil des Andrangs umgangen.
Die meisten Herbergen sind ab April geöffnet, fast alle ab Ostern. Mit ein wenig Vorrecherche und wenn man weiß, worauf man sich einlässt, kann man selbst im Winter einen Pilgerweg machen. In der Herberge von Villafranca habe ich sogar Gästebuch-Eintragungen vom Heiligabend gefunden.
Mein frühster Camino war Ende März/ Anfang April: vom Rabanal bis zum höchsten Punkt Galiciens ging ich im Schnee.
Der Mai ist ebenso wie der Oktober eine gute Zeit. Meist ist es ausreichend warm und sonnig, der Andrang hält sich in Grenzen.
Falls du im April oder Mai gehst: Achte auf Ostern! Denn viele Spanier gehen das Endstück des Camino Frances in der Heiligen Woche („Semana Santa“). Da wird es dann oft kurzfristig voll. Noch ein Tipp: Aktuelle Zahlen zum Pilgeraufkommen und historische Daten findest du direkt auf der Seite vom Pilgerbüro in Santiago.

Hier die Zusammensetzung der Pilger im Jahr 2017 nach Nation. Insgesamt waren über 300.000 Menschen unterwegs:

Pilger

Finde das richtige Tempo für deinen Pilgerweg!

Es ist keine große Weißheit: Unterschiedliche Menschen sind unterschiedlich leistungsfähig und unterschiedlich trainiert. Ein durchschnittlicher Pilger-Anfänger wird etwa 20 bis 25 Kilometer pro Tag gehen. Hört sich das viel an für dich? Ist es auch. Aber denke daran: Pilgern ist kein Leistungssport. Du joggst schließlich nicht über den Weg, das ganze ist eher ein Extrem-Schlendern.
Du hast den ganzen Tag nichts anderes zu tun als zu pilgern. Ob du um 14 oder 17 Uhr am Ziel ankommst ist egal (wenn du zum richtigen Zeitpunkt gehst, siehe Punkt 1), denn du verpasst in den meisten Fällen rein gar nichts.
Ich bin zum Beispiel ein ziemlich schlaffer Typ und so leidlich sportlich unterwegs. Außerdem bin ich ziemlich langsam. Trotzdem schaffe ich an guten Tagen 40 Kilometer ohne mich zu verausgaben. Mein bisher erreichtes Maximum liegt bei 56 Kilometern – das war an der Grenze. Wenn du unter 20 Kilometer pro Tag machst, dann ist das auch völlig okay. Denn du wirst andere Menschen treffen, die dein Tempo haben. Und ihr werdet auch mit Sicherheit gut verstehen.
Italiener waren 2017 mit
0 Prozent
die größte ausländische Pilgergruppe
Brunnen bei Rabanal

Der Camino löst keine Probleme!

Viele Menschen gehen auf den Camino, weil sie ein Problem haben. Manchmal sind sie körperlich krank, manchmal depressiv, haben etwas Negatives hinter sich. Fast immer sind sie auf Sinnsuche.
Das alles ist völlig okay. Aber: Du solltest nicht erwarten, dass sich deine Probleme auf dem Camino in Luft auflösen. Im Gegenteil: du wirst sie mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder mit nach Hause nehmen. Das soll den Camino in keiner Weise entwerten. Ich habe viele Menschen getroffen, die einer Lösung zumindest näher gekommen sind. Man lernt unterwegs ganz leicht, abzuschalten und sich auf die Natur einzulassen. Du wirst auch Menschen treffen, denen du vielleicht mehr über dich erzählst als du es deinen besten Freunden gegenüber tust. In vielen Fällen wird es helfen. Und manchmal erlebt man auch kleine Wunder. Ein Tipp: wenn du wirklich intensiv über etwas nachdenken möchtest, dann schau dir nochmal meine Anmerkungen zum richtigen Zeitpunkt an. Denn wenn es auf dem Camino aussieht wie an der Supermarktkasse, dann ist es für dich vielleicht nicht die richtige Zeit.
Im Jahre 2017 waren
0,0 Prozent
der Pilger per Pferd unterwegs
Wegmarkierung am Jakobsweg

Lass den verdammten Föhn zuhause!

Mein Tipp: versuche, dich beim Gewicht deines Rucksacks mitsamt allem Inhalt auf etwa 10 Kilo zu reduzieren. Bei meinem ersten Weg hatte ich 14 Kilo angesammelt. Nach 10 Minuten dachte ich, das merkt man kaum. Nach einer Stunde hatte ich das Gefühl, mehr hätten es nicht sein dürfen. Nach fünf Stunden habe ich angefangen, jedes einzelne Gramm zu verfluchen. Viele Dinge sind wirklich verzichtbar, und mit jeder neuen Tour sehe ich neue Absurditäten. Ganz frei davon bin ich nicht, aber ehrlich: dein Rücken wird dir den Verzicht danken. Übrigens: ich habe für dich einige Ideen für deine Packliste. Da steht so ziemlich alles dauf, was du wirklich brauchst.
Von allen Pilgern waren 2017 rund
0 Prozent
Männer
Haus am Jakobsweg

Die Herbergen auf dem Jakobsweg

Du fragst dich vielleicht, ob du wirklich wochenlang in Pilgerherbergen schlafen möchtest. Vielleicht ist schon der Gedanke daran ein wenig eklig und klingt nach Schullandheim?
Zunächst mal: lass dir von niemandem etwas einreden. Wenn du großen Unterkünften mit leicht verranztem Charme nichts abgewinnen kannst, dann gibt es auch keinen Grund, sich zwanghaft dort aufzuhalten. Es ist nichts ehrenrühriges dabei, sich in privaten Unterkünften ein frisch gemachtes Bett zu suchen. Das war schon im Mittelalter nicht anders.

Alles hat Vor- und Nachteile

Der große Vorteil der Herbergen: es gibt ein dichtes Netz und sie sind vergleichsweise günstig. Auf dem Camino Frances gibt es selbst in kleinen Dörfern oft mehr als nur eine Herberge. Auch dort gibt es große Unterschiede: zum einen findet man staatliche oder kirchliche Herbergen, die oft von Freiwilligen geführt werden sowie rein private Herbergen, die den Hospitalero ernähren sollen. Private Herbergen sind meist ein wenig teurer (ca 12 bis 15 Euro die Nacht) als die öffentlichen Herbergen (ab 6 Euro die Nacht), dafür sind die privaten Unterkünfte allerdings auch oft sauberer und bieten etwas mehr Luxus. Die Herzlichkeit ist nach meiner Erfahrung allerdings gleichermaßen groß.
In den Herbergen gibt es inzwischen vielfach Waschmaschinen, Trockner, Kochmöglichkeiten und WLAN. Die sanitären Anlagen sind von unterschiedlicher Qualität. Da der Konkurrenzdruck inzwischen recht hoch ist, ändert sich jedes Jahr recht viel.
Private Herbergen kannst du übrigens im Gegensatz zu öffentlichen Herbergen vorbuchen. Falls es unterwegs mal wieder besonders voll ist, kannst du dir so viel Nerverei sparen. Telefonnummern und ein ziemlich umfangreiches Herbergsverzeichnis findest du auf der Seite von Jakobus-info.de und auf der Seite der spanischen Supermarktkette Eroski (kein Witz, trotzdem gut!)

Sei kein Arschloch!

Übrigens: Was mir immer wieder negativ auffällt ist das Anspruchsverhalten einiger Pilger. Die Hospitaleros machen das oft freiwillig und verbringen ihre Freizeit damit, sich um die Pilger zu kümmern. Macht es den Menschen dort also nicht so schwer 🙂 Wer sich für die Arbeit einer Hospitalera oder eines Hospitaleros interessiert, der kann auf die Seite von Caminosantiago.org gehen und sich dort über Möglichkeiten informieren. Und wer nachlesen will, wie man sich als Herbergsvater oder -mutter so fühlt, dem lege ich das Buch „Raum in der Herberge“ von Elisabeth Klose ans Herz. Etwas älter schon, aber sehr nett geschrieben. Leider finde ich das Buch nur gebraucht.

Als Grund für die Pilgerschaft gaben 2017
0 Prozent
der Pilger rein religiöse Motive an

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