Packliste Jakobsweg: Die Ausrüstung für deinen Camino de Santiago

Über die Packliste für deinen Jakobsweg solltest du dir ausreichend Gedanken machen. Denn was du für deinen Camino nach Santiago mitnimmst, ist so ziemlich die wichtigste Frage überhaupt.

Generell gilt: Weniger ist mehr. Hinterfrage dich bei allen Dingen am besten gleich mehrfach: „Brauche ich das wirklich?“. Wenn du auch nur ein einziges Mal „Nein“ sagst, dann lass es zuhause. Denn es zählt oft schon nach wenigen Stunden Wanderschaft jedes einzelne Gramm. Hier meine Tipps zur ultimativen Packliste für den Jakobsweg:

Packliste Jakobsweg: Rucksack für den Camino Santiago

Der richtige Rucksack für den Jakobsweg

Der Rucksack ist für deinen Jakobsweg das A&O er muss schließlich all die Habseligkeiten aufnehmen können, die auf deiner Packliste stehen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Den Gedanken an einen Discounter-Rucksack oder an das verstaubte alte Ding von Daddy, das noch auf dem Dachboden liegt, solltest du gleich begraben. Dein Rücken wird es dir in jedem Fall danken, wenn du dir ein paar Gedanken mehr zum Thema machst.

Größe und Tragesystem

Nach meiner Erfahrung sollte ein Rucksack für den Camino Santiago nicht mehr als 65 Liter fassen. Und das meine ich eingerechnet mit dem ominösen „Plus“, das auf vielen Rucksäcken steht (also etwa 55 plus 10). Größere Geräte verleiten nur dazu, unnützes Zeug mitzunehmen, das du eh nicht brauchen wirst.
Ein guter Rucksack hat vor allem ein hervorragendes Tragesystem. Das Teil, was am Rücken anliegt, sollte nicht labbrig, sondern durch Alustreben oder Hartplastik verstärkt sein, damit das Ganze schon mal eine gewisse Grundstabilität hat. Außerdem sorgt die Rückenverstärkung im Idealfall dafür, dass zwischen Körper und Rucksack etwas Luft ist, um dich nicht zu sehr ins Schwitzen zu bringen.
Die Hüfthalterung solltest du dir immer genau anschauen, denn sie verteilt das Gewicht deines Gepäcks auf die Leisten. Du wirst einsehen, dass schlaffer Schaumstoff hier nicht das richtige ist.

Ordnung ist das halbe Leben

Dein Rucksack sollte außerdem mehrere Seitentaschen haben, in die du bestimmte Dinge, die du etwa dauernd brauchst, gut auslagern kannst. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich so manches Mal den ganzen Rucksack entleeren musste, weil ich irgendwas gesucht habe. Kleiner Tipps am Rande: nutze für Kleinigkeiten Zip-Beutel oder leichte farbige Beutel, die es im Outdoor-Laden gibt. So hast du mit einem Griff zur Hand, was du brauchst.
Damit sich das ganze Zeug angenehm tragen lässt, solltest du die Kompressionsriemen nutzen. So lädt der Rucksack nicht so weit nach hinten aus und sitzt näher am Körper.
Du wirst für einen guten Rucksack nur wenig mehr als 100 Euro ausgeben müssen – zumindest wenn du ein Vorjahresmodell kaufst, oder in Schnäppchen-Outdoorportalen schaust. Mein Empfehlung wäre hier Outdoor-Broker. Dort gibt es jeden Tag neue Angebote, wenn gerade kein Rucksack dabei ist, einfach ein paar Tage lang immer mal wieder reinschauen.

Die besten Marken

„Und welche Marke soll ich kaufen?“ Ich habe gute Erfahrungen mit Vaude gemacht, auch mit Deuter. Aktuell habe ich einen Gregory. Wer sparen möchte, sollte sich mal die Marke Berghaus anschauen: sie gehört nicht zu den „ganz großen“ und hat auch keinen allzu hohen Bekanntheitsgrad. Wohl deswegen wird sie oft verramscht. Zu Unrecht, denn die Qualität ist sehr gut, die Tragesysteme absolut okay. Aber ganz ehrlich: Die Marke ist nicht so entscheidend – so lange sie einen Ruf zu verlieren hat. Tipp: Kaufe ein Modell, das auch gleich einen Regenschutz an Bord hat. Und wenn es keinen hat, dann kaufen einen nach. Wenn es nur ein einziges Mal regnet, dann wirst du dich darüber freuen.

Der vollste Monat in 2015 war mit
0 Pilgern
der August
Packliste Jakobsweg: Der Schlafsack

Der ideale Schlafsack für den Camino

Du willst in den Pilgerherbergen schlafen? Dann brauchst du einen Schlafsack. Wichtig: Er sollte leicht und kompakt sein. Und vor allem soll er nicht die Hälfte deines Rucksacks einnehmen und deine Packstrategie zunichte machen.
Denk dran: In den Pilgerherbergen sind häufig viele Menschen, es wird ziemlich stickig. Der Schlafsack muss also nicht frostsicher sein, das Modell „Himalaya“ ist deutlich zu reingesteigert und sollte sofort von deiner Packliste fliegen.

Bloß kein Luxus

Ein einfaches Modell wird völlig ausreichen. Die Kosten kannst du mit 30 Euro kalkulieren, alles andere ist Luxus, den du dir für ein Outdoor-Abenteuer sicher leisten solltest – auf dem Camino allerdings nicht. Links im Bild (oben) siehst du so einen Schlafsack, ein NoName von Amazon, der rund 800 Gramm auf die Waage bringt. Daneben) siehst du mein aktuelles Modell, das noch kompakter zu verstauen ist, aber selbst im Ausverkauf noch rund 70 Euro gekostet hat. Damit bin ich absolut zufrieden. Übrigens: Im Hochsommer könnte ein Jugendherbergs-Schlafsack (Das Modell im Baumwollsäckchen) ausreichen. Ich habe ihn auf einer Tour Ende Mai mal mitgehabt und ihn mit einem Seidenschlafsack (ganz rechts) kombiniert. Der Seidenschlafsack ist ein Hauch von nichts, hält aber Wärme erstaunlich gut. Dennoch wirst du kaum jemand antreffen, der mit dieser Kombi unterwegs ist.

Und was ist mit einer Isomatte?

Ich sehe tatsächlich immer wieder Pilger mit Isomatten. Wenn du nicht gerade draußen schläfst, machst das so gut wie keinen Sinn. Nur in besonders hochfrequentierten Zeiten wie Juli oder August kann es sein, dass du mal keinen Platz in einer richtigen Koje bekommst. Aber auch dann wäre meine Empfehlung eher, bis zur nächsten Herberge weiterzulaufen oder sich ein Bett im Kornfeld zu suchen. Zum Standard in einer Packliste für den Jakobsweg gehört die Isomatte also sicher nicht – sie ist sperrig, wird selten gebraucht und dient eigentlich nur dazu, anderen Pilgern beim Vorbeigehen den Kaffee vom Tisch zu reißen. Allenfalls, wenn du sehr aufs Budget achten musst, dann packe sie ein. Alle anderen werden das Ding sowieso irgendwo liegen lassen.

Immerhin
0 Pilger
waren im Januar 2016 unterwegs
Packliste Jakobsweg: Gute Schuhe

Die besten Schuhe für die Tour nach Santiago!

Neben deinem Rucksack sind die Schuhe die wichtigste Ausrüstung für deinen Jakobsweg. Wie bei allem anderen, gibt es auch hier sehr unterschiedliche Philosophien:

Die Gretchenfrage: Stiefel oder Halbschuhe?

Stiefel bieten generell mehr Halt und verhindern oft, dass man sich beim Umknicken allzu schwer verletzt. Im Sommer wird es darin allerdings häufig zu warm und alle angebliche Atmungsaktivität wird schnell zum schlechten Witz. Bei Regen spielen Stiefel dann aber ihre Vorteile aus: Der Matsch läuft nicht in die Socken, was besonders nach einigen Stunden Dauerbeguss von Vorteil ist.

Generell ist die Strecke des Camino Frances nicht allzu anspruchsvoll. Es gibt nur zwei bis drei Etappen, bei denen man besser mit Stiefeln unterwegs ist. Wer von St. Jean aus los läuft und über den Pass will, läuft mit Halbschuhen Gefahr, sich den Knöchel zu verdrehen. Der Aufstieg nach O’Cebreiro am Ende des Camino ist zwar auch etwas anstrengend, aber Stiefel sind hier nicht unbedingt notwendig.

Egal welche Schuhe du wählst: Beim Einkaufen eines neuen Modells musst du daran denken, dass sich deine Füße im Laufe des Gehens tagsüber ausdehnen. Nicht zuletzt deshalb sollte man Wanderschuhe immer etwas größer kaufen. Eine halbe Nummer sollte es schon sein.
Das Profil der Sohle muss ausreichend „Grip“ haben, denn wenn es regnet, willst du auf rutschigem Untergrund nicht gleich ausrutschen. Hinweisen möchte ich auch auf das Material an der Schuhspitze: ist sie zu hart, stößt man mit den Zehen immer vorne an. Das führt nach einer Weile zu Schmerzen.

Wer sich für Halbschuhe interessiert, sollte sich mal nach so genannten Trailrunner umschauen, das ist eine Art Mischung aus Turn- und Wanderschuh mit Profilsohle. In letzter Zeit sehe ich vermehrt Pilger mit Tretern aus dieser Kategorie.

Das Material

Beim Material ziehen die meisten Pilger wohl auch aufgrund des Preises Synthetik-Stoffe mit GoreTex den guten alten Lederschuhen vor. Vorteil: Die Schuhe sind relativ leicht und halten den Fuß tatsächlich recht trocken. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass die Wunder-Faser irgendwann bricht und dann eben doch wieder Wasser durchlässt – in meinem Fall hat das aber 1300 Kilometer gedauert. Einem Lederschuh würde ich jederzeit den Vorzug geben, auch wenn sie meist deutlich schwerer sind. Wichtig aber in jedem Fall: du musst deine Schuhe einlaufen! Damit beginnst du im besten Fall schon Wochen vorher. Auch wenn die Kollegen sich im Hochsommer vielleicht wundern, warum du Wanderschuhe zum Anzug trägst – das Einlaufen erspart dir viel Stress. Deine Füße gewöhnen sich an kritische Stellen, bilden dort Hornhaut und wehren sich dann mit etwas Glück auf dem Pilgerweg nicht mit fiesen Blasen.

Du willst von mir eine Markenempfehlung?

Die gebe ich nicht, denn das ist je nach Strecke, Jahreszeit und deinem Fuß sehr individuell.  Ich habe gute Erfahrungen mit Meindl, Lowa, Salomon und Hanwag gemacht. Mein Favorit war ein Adidas aus Leder, der sich aber nicht mehr im Programm befindet. Ich kaufe grundsätzlich Modelle im Schlussverkauf, mehr als 140 Euro gebe ich nicht aus. Warnen möchte ich vor Discounter-Schuhen, sie sind weit von dem entfernt, was man als brauchbar bezeichnen kann. Und: von Schuhen der Marke Merrell würde ich grundsätzlich abraten – ich habe viele gerissene Modelle auf dem Weg liegen sehen.

Im Jahr 1989 waren nur
0 Deutsche
auf dem Jakobsweg unterwegs
Pilger in Santiago

Shirts, Socken: Alles rationiert!

Egal wie lang du unterwegs bist: Denk daran, dass es in vielen Orten und Herbergen Waschmaschinen gibt! Du brauchst also nicht den halben Kleiderschrank einzupacken. Zu den Regenklamotten habe ich schon genug gesagt, den ganzen Rest solltest du möglichst puristisch planen:

Die Universalhose:

EINE Hose zum Wandern und EINE weitere Hose zum Wechseln muss reichen. Allenfalls eine gaaaanz dünne Jogginghose würde ich zusätzlich noch einpacken – damit du nicht in Unterhose vor der Wachmaschine warten musst. Muss es eine spezielle Wanderhose sein? Ich glaube nicht. Ich bin schon mal in Jeans gelaufen. Wenigstens rascheln die nicht so fürchterlich, wie so viele Kunstfaser-Hosen. Ich habe irgendwann aber meine Lieblings-Hose gefunden und gebe sie auch nicht wieder her. Es ist eine Lundhags. Aber ganz ehrlich: man muss da nicht so wählerisch sein. Im Sommer ist es übrigens sehr praktisch, eine Hose mit abnehmbaren Unterbeinen zu haben. So lässt es sich am kühlen Morgen ebenso gut wandern wie am heißen Nachmittag.
Apropos Hose: In deine Unterhosen-Planung will ich mich nicht einmischen – aber selbst die soll man ja waschen können.

Merino über alles: T-Shirts

Mehr als vier T-Shirts sollten nicht auf der Packliste für deinen Jakobsweg stehen. Ich empfehle dir Shirts aus Merino-Wolle. Die sind nicht ganz günstig, haben aber den Vorteil, dass sie praktisch nie stinken und sowohl bei Wärme kühlen als auch selbst bei Nässe noch wärmen. Es muss nicht die horrend teure Marke Icebreaker sein, selbst bei Discountern wie der Outdoor-Kette Decathlon gibt es günstige Merino-Shirts. Achte aber darauf, dass es sich um reines Merino handelt, gelegentlich werden auch Kunstfaser hinzugefügt. Wenn du Merino gar nicht magst, dann nimm normale Baumwoll-Shirts. All die High-Tech-Shirts stinken nach kurzer Zeit und riechen auch nach dem Waschen nur eine halbe Stunde besser. Auf anderen Webseiten wirst du übrigens genau gegenteilige Empfehlungen finden. Dort heißt es häufig, man solle lieber Funktionsshirts nehmen, weil die nicht auf der Haut reiben und dadurch weniger „Wolf“ entstehen lassen. Ich sehe das anders :=). Du magst andere Erfahrungen gemacht haben: dann handle danach.

Mach dich auf die Socken:

Es sollten Wandersocken sein, die sind nämlich meist so gestrickt, dass sie keine allzu dicken Nähte haben, an denen dein Fuß scheuern könnte. Man kann gut mit zwei Paar Wandersocken auskommen, denn mehr als ein Paar kann man eh nicht gleichzeitig tragen. Wandersocken sind meist auch an den entscheidenden Stellen etwas besser gepolstert als normale Baumwollsocken. Übrigens sind sie nach meiner Erfahrung meist aus Kunstfasern. Was in diesem Fall okay ist, weil die Reibung hier ja recht hoch ist.

Praktisch: Badelatschen

Keimfreie Duschen sind in den großen Herbergen des Jakobswegs eher in der Minderheit. Es ist also schlau, Badelatschen einzupacken. Empfehlen würde ich dir Modelle aus Schaumstoff, die sind sehr leicht. Qualitativ hochwertigere Latschen haben vielleicht eine höhere Halbwertszeit, wiegen aber schlicht zuviel.

Kapuzenpulli geht immer

Seit 10 Jahren bewährt: ein handelsüblicher Kapuzenpulli. Wenn du morgens früh losgehst, dann ist es meist noch recht kühl. Ein Kapuzenpulli ist da genau das richtige.

Lieber einen Sonnenhut…

Wenn du stundenlang wanderst, kann dir die Sonne ganz schön auf den Schädel scheinen. Ein Hut, eine Mütze oder irgendeine andere Kopfbedeckung ist sehr sinnvoll, um das sterile Abkochen deiner beiden Hirnhälften möglichst weit hinauszuzögern. Außerdem minderst du die Gefahr von Sonnenbrand.
Ein Panamahut sieht zwar manchmal etwas lächerlich aus, er ist aber leicht und lässt sich sogar rollen und ganz leicht im Rucksack verstauen.

Auf dem Camino Frances sind
0
aller Jakobsweg-Pilger unterwegs
Unterwegs auf dem Jakobsweg

Die Regenjacke zum Jakobsweg: Wasserdicht? Gibt’s nicht!!

Um es kurz zu machen: In einer Packliste für den Jakobsweg darf eine Regenjacke auf keinen Fall fehlen. Vor allem Galicien ist dafür berüchtigt, dass es häufig regnet. Selbst wenn es nicht regnet, wirst du vor allem früh am Morgen dankbar für eine Jacke sein – es kann gelegentlich empfindlich kalt werden.
Achte beim Neukauf auf ein möglichst geringes Gewicht (etwa 4 bis 500 Gramm), idealerweise sollten Reißverschlüsse verschweißt sein, damit die Suppe nicht gleich nach innen läuft.

High Tech in jeder Faser

Was das Material angeht: von GoreTex über Dermizax bis Sympathex habe ich alle Materialien durch. Ich besitze mittlerweile ein ganzes Lager von Regenjacken. Mein Fazit: Wenn du 8 Stunden im Dauerregen läufst, dann wird deine Regenjacke irgendwann aufgeben, daran wird kein Werbeversprechen etwas ändern. Bei allem Gezeter über das nicht funktionierende High-Tech-Material – die besten Erfahrungen habe ich mit Jacken aus Dermizax von Bergans gemacht.
Klar, es gibt auch derbes Regenzeug, bei dem garantiert kein Tropfen Regen durchkommt. Aber dann wirst du darunter so stark schwitzen, dass du mindestens genauso nass bist. Ähnliche Erfahrungen habe ich mit einem dicken Regenponcho gemacht, und das, obwohl er ja eigentlich von unten Luft bekommt. Um auch mit meiner leichten Regenjacke gut vorbereitet zu sein, nehme ich zusätzlich für apokalyptische Tage immer noch ein bis zwei 1-Euro-Plastikponchos aus Folie mit.
Ach ja: es soll natürlich Menschen geben, die schon eine Regenjacke haben. In diesem Fall empfehle ich dir, sie frisch zu imprägnieren. Das kann man meist zuhause in der Waschmaschine.

Und wie steht’s mit der Regenhose?

Auf Regenhosen verzichte ich in meiner Packliste für den Jakobsweg übrigens prinzipiell – zu viel Gewicht. Ich setze statt dessen auf Gamaschen, die etwa bis zum Knie gehen. Die lassen sich ganz fix anlegen und verhindern auch Matsch in den Schuhen.

2015 waren
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Deutsche auf dem Jakobsweg

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