Die Etappen für den Jakobsweg (Camino Frances)

Wieviel Zeit du für den Jakobsweg brauchst? Das kommt auf ganz viele Faktoren an: bist du ein geübter Läufer, hast du gesundheitliche Probleme, hast du am Ende vielleicht sogar sehr viel Zeit? Im Allgemeinen spricht man von 32 Tagesetappen, in denen der ganze Camino Frances zu schaffen ist. Mir persönlich sind diese Etappen oft zu kurz, denn ich habe Spaß am Wandern und möchte nicht schon am frühen Nachmittag am Ziel sein. Wenn du aber gern etwas mehr Zeit für Sehenswürdigkeiten entlang des Weges einplanst oder dir schlicht mehr Zeit lassen willst, dann sind die 32 Jakobsweg-Etappen für dich vollkommen in Ordnung. Und noch etwas: Natürlich musst du nicht den ganzen Jakobsweg gehen. Das habe ich selbst nur ein einziges Mal getan. Auch ein kurzer Trip für 10 Tage kann dir sehr viel geben.

Verlauf und Etappen des Camino Frances

Du hast die Anreise bis Saint-Jean hinter dich gebracht? Dann kann es jetzt endlich losgehen, und zwar gleich mit der wohl härtesten Etappe des Camino Frances.
Das lebhafte mittelalterlich geprägte Dorf St. Jean Pied de Port lebt von den Jakobsweg-Pilgern und ist ganz auf sie eingestellt. Es gibt viele Herbergen, die allerdings auch schnell voll sind – und auch nicht ganz billig.

Wenn du am Morgen losgehst, bist du sehr schnell in der Natur, die Sonnenaufgänge sind wunderschön! Schon nach wenigen hundert Metern musst du dich für den „harten“ oder den „einfachen“ Weg entscheiden.Bei schlechtem Wetter sollte man sich gut überlegen, ob man den Helden spielen möchte. Der „harte“ Weg geht ziemlich deutlich nach oben, entlang an grünen Wiesen. Ein paar wenige Einkehrmöglichkeiten liegen am Weg, wer eher langsam unterwegs ist, der sollte die Etappe nach etwa 8 anstrengenden Kilometern unterbrechen und in Orisson vielleicht sogar nächtigen.

St. Jean Pied de Port

St. Jean Pied de Port

Jetzt wird’s hart!

Von der Albergue aus geht es weiter die Pyrenäen hoch, irgendwann unterwegs erreichst du das Grenzschild nach Spanien.Es wird immer windiger, hier oben liegt auch lang noch Schnee! Immer wenn du glaubst, du hast es geschafft, dann geht es noch weiter. Aber schließlich wird der Weg angenehmer, es geht eine ganze Weile eben, du läufst am Rolandsbrunnen vorbei. Ritter Roland ist hier in der Gegend, wahrscheinlich beim Angriff baskischer Truppen ums Leben gekommen (und nicht, wie viele glauben, im Kampf gegen die arabischen Invasoren).
Schließlich beginnt der beschwerliche Abstieg nach Roncesvalles: Nimm dir Zeit, denn sonst stolperst du oder ruinierst dir deine Knie! In Roncesvalles, dem „Tal der Schnarcher“ hast du dir eine angenehme Nachtruhe in der modernen Herberge redlich verdient – die urige alte Herberge, die man in Filmen und auf Fotos immer wieder sieht, wird nur noch in Ausnahmefällen geöffnet.



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In St. Jean Pied de Port nicht verpassen:

  • Zitadelle
  • Pilgerbüro
  • Kirche Porte Notre Dame

Gut geschlafen? Dann schnapp‘ dir deinen Rucksack für eine heute im Vergleich zum Vortag eher beschauliche Tour. Du kannst in Roncesvalles auch noch das Grab von König Sancho VII. besuchen, zumindest wenn du so früh schon in die örtliche Abtei kommst.

In der Nähe von Zubiri

In der Nähe von Zubiri

Der Unterhaltungswert hält sich allerdings in Grenzen. Beeindruckender ist da schon das alte Pilgerkreuz, an dem du kurz nach dem Loslaufen vorbeikommst. Es geht an kleineren Dörfern vorbei über waldige Wege und gelegentlich auch über Asphalt. Eine sehr schöne Etappe, die nur leicht bergauf führt, bis zur Passhöhe von Erro (etwa 800 Meter). Kurz vor dem Ziel überquerst du noch eine hübsche mittelalterliche Brücke und landest schließlich in Zubiri. Zur Brücke noch eine kleine Anekdote: bis vor einigen Jahren zwang man die Tiere des Ortes, um einen Pfeiler in der Mitte herumzulaufen – sollte gegen Tollwut schützen. Inzwischen hat den Einwohnern aber jemand erzählt, dass das gar nicht funktioniert

In Zubiri nicht verpassen:

  • mittelalterliche Brücke



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Heute liegen weitere 20 angenehme Kilometer vor dir. Die ersten Kilometer bis Larrasoana lassen das noch nicht so richtig erahnen, aber nach dem Dörfchen (in dem es auch eine ziemlich abgeranzte Herberge gibt) macht sich der Weg richtig gut.

St. Esteban

Im Glockenturm St. Esteban

Es ist grün, waldreich und angenehm zu laufen. Durch Zurtain und Zabaldika gelangst  du etwa 8 Kilometer vor Pamplona auch an der Kirche St. Esteban vorbei (dort gibt es auch eine gute Herberge). Es lohnt sich, dort in den Glockenturm zu gehen – man darf auch mal bimmeln, aber wirklich nur ein einziges Mal, sonst gibt es Ärger mit Gottes Bodenpersonal.

Schließlich erreichst du die ersten Vorboten von Pamplona – deiner ersten „richtigen“ Stadt am Camino Frances. Hier kannst du dir die ein oder andere Sehenswürdigkeit anschauen (Hemingway war hier!) und am Abend auch mal ein Weinchen und ein paar Tapas zu dir nehmen. Solltest du dir aus einem mir nicht begreiflichen Grund irgendwas aus Stierkämpfen machen, dann findest du hier auch eine Arena.



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Nicht verpassen in Pamplona:

  • Stierkampfarena mit Hemingway-Denkmal
  • Rathaus
  • Stadtmauer mit Festung

Heute hast du eine tolle Etappe vor dir! Es ist zunächst noch etwas städtisch-nüchtern, wenn du Pamplona langsam verlässt. Zumindest als ich das letzte Mal da war, hatte man sich Mühe gegeben, die Strecke etwas hübscher zu gestalten. Dennoch wirst du gelegentlich über Straßen gehen müssen. Weite Weizenfelder begleiten dich rauf auf den „Alto del Perdon“, einen Berg, auf dem charakteristische Pilgerfiguren aus Metall herumstehen. Keine große Hürde für dich. Anschließend wird der Weg leicht, denn es geht locker bergab und dann weitgehend eben durch Felder und Dörfer. Ganz wichtig und in jedem Reiseführer empfohlen ist ein kleiner Umweg bei Obanos: dort steht die eindrucksvolle Templerkirche von Eunate.

Puente la Reina

In Puente la Reina

Wenn du die Bilder siehst, dann denke dran: drinnen ist rein gar nichts. Dennoch lohnt es sich, für die Kirche den Umweg in Kauf zu nehmen. Aber am besten vorher die Öffnungszeiten checken!
Am Ende der Etappe erreichst du Puente de la Reina, ein nettes kleines Städtchen mit mehreren Herbergen, in dem man gut essen und trinken kann. Bei meinen Aufenthalten vor Ort war beinahe immer irgendein Fest…..
In Puente la Reina kommen übrigens auch die Pilger vom aragonesischen Weg dazu, ein Weg, der zu Unrecht inzwischen ein wenig vergessen worden ist. DIe Brücke ist übrigens eine besondere: lange hielt sich der Glaube, dass Tiere vor der Tollwut geschützt sind, wenn sie sie überqueren.

Nicht verpassen auf dem Weg nach Puente la Reina:

  • Templerkirche in Eunate
  • Pilgerfiguren auf dem Alto del Perdon
  • mittelalterliche Brücke in Puente la Reina



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Ab Puente la Reina laufen die wenigen Pilger, die vom aragonesischen Weg dazugestoßen sind, gemeinsam mit alle jenen, die aus Richtung St. Jean Pied de Port kommen.

Estella

Estella

Über die schöne mittelalterliche Brücke führt der Weg raus und steigt eine Weile an. Genau das richtige, um am Morgen warm zu werden. Du läufst parallel zur Straße und dann auf einem alten Römerweg entlang. Die Landschaft ist recht karg. Um so schöner, dass dein Ziel Estella wirklich hübsch ist. Es gibt hier mehrere Herbergen. Unbedingt einplanen solltest du einen Besuch im „Palast der Könige von Navarra“, im Stadtzentrum. Es lohnt sich und es gibt natürlich diverse wundertätige Madonnenstatuen zu sehen.

Nicht verpassen auf dem Weg nach Estella:

  • Palacio de los Reyes de Navarra
  • Ein Bier in der Cerveceria Ega Metal (Estella)



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Von Estella aus geht es heute über eine angenehme und kaum anspruchsvolle Strecke nach Los Arcos. Schon nach einer recht kurzen Distanz nach dem Aufbruch bist du schon an der Weinquelle Irache, deren Webcam du übrigens auch in meinem Webcam-Artikel sehen kannst.

Weinquelle Irache

Weinquelle Irache

Hier kannst du dich schon am frühen Morgen mit ein wenig Gratis-Wein für den Rest des heutigen Weges so richtig fertig machen. Also besser nicht so gierig sein und auch nicht literweise für die Wegzehrung abfüllen. Wer mehr auf spirituelle Nahrung steht, kann auch beim Kloster Irache eine Pause machen. Eine Weile im Blick: die Burgruine Monjardin auf einem ziemlich hohen, bewaldeten Berg – macht einen imposanten Eindruck. Ich wollte schon immer mal dort hoch, aber der Anstieg sieht nicht ganz so verlockend aus. Der weitere Weg geht meist auf Schotterpisten voran. Los Arcos ist ein verschlafenes kleines Städtchen, dennoch eine Pause wert (Geldautomaten übrigens nah am Weg) und für viele auch ein Etappenziel.

Nicht verpassen auf dem Weg nach Los Arcos:

  • Weinbrunnen Irache
  • Kloster Irache



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Und wieder eine einfache Etappe: Nur wenige Kilometer von Los Arcos entfernt liegt Torres del Rio.

Templerkirche Los Arcos

Templerkirche in Torres del Rio

Hier hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan, ein dickes neues Hotel und ein Neubaugebiet haben dem Dörfchen etwas Seele genommen und dafür mehr Bequemlichkeit gebracht. Unbedingt reinschauen (falls geöffnet): die Kirche des Heiligen Grabes, die wegen Ihrer Form von einigen Experten den Templern zugeordnet wird. Nach einer Weile verlässt du schließlich die Navarra und gelangst ins Rioja, von den Weinflaschen sicher bestens bekannt. Ausgerechnet am städtischen Krematorium vorbei erreichst du auch gleich die Hauptstadt des Rioja – Logrono. Hier ist es recht lebhaft, die Stadt hat natürlich mehrere Herbergen zu bieten. Von hier aus kommst du übrigens auch in mehrere Richtungen mit dem Bus weiter, die Stadt ist ein Verkehrsknotenpunkt.

In Logrono nicht verpassen:

  • Achtung: Das Grab von Cesar Borgia findest du vor der Kirche in Viana (etwa nach 10 km)
  • Kathedrale Santa Maria de la Redonda
  • Calle del Laurel: Gute Kneipen mit Tapas
  • Weinkeller-Tour in den Bodegas Franco Espanola



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Heute bist du relativ lange in Sichtweite von Straßen unterwegs. Das Streckenprofil ist wenig anspruchsvoll, unterwegs findest du allerdings nicht allzu viele Möglichkeiten zur Einkehr. Also lieber gut frühstücken! Die Etappe ist kurz, daher wirst du dich sicher nicht verausgaben. Du kommst durch ein langgezogenes Erholungsgebiet mit Stausee, den Pantano de la Grajera. Der Weg scheint kein Ende zu nehmen. Im Park ist gelegentlich ganz schön was los, Dutzende Jogger kommen dir entgegen oder überholen dich.

In der Rioja

In der Rioja

Nach etwa 13 Kilometer erreichst du Navarrete, angeblich bekannt für seinen Rosé-Rioja. In und um Navarrete gibt es viele Bodegas, in denen du der Sache nachgehen kannst. In Sichtweite einer Bodega liegt auch die Ruine des Pilgerhospitals San Juan de Acre. So richtig viel gibt es da allerdings nicht mehr zu sehen. Nach weiteren 15 Kilometern landest du schließlich in Najera, zeitweise Sitz der Könige von Navarra. Hier gab es das „Grottenwunder“: eine auf wundersame Weise entdeckte Marienstatue….

In Najera nicht verpassen:

  • Benedektiner-Kloster Santa Maria La Real: tolle Skulpturen und Gräber, umgibt die Höhle vom „Grottenwunder“



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