Reisebericht vom Camino Primitivo, Teil 2

Mittwoch, 20. Mai 2015
Von Fonsegrada nach Castroverde


Okay, irgendwie war mir dann gestern Abend doch ein wenig fad. Nur Franzosen im Zimmer, alle wahrscheinlich lustig, aber eben für mich nicht zu verstehen.
Heute morgen halte ich mich an die Gruppe um den Kanadier Chris. Sie nehmen es klaglos hin und so gehen wir den ganzen Tag miteinander durch Wälder und die sanfte Hügellandschaft. Ehrensache, dass es auch dann irgendwie immer bergauf geht, wenn das Streckenprofil eigentlich das Gegenteil zeigt. Es ist ziemlich kühl, es regnet auch längere Zeit. Wenn ich bergauf gehe, schwitze ich aus allen Poren, gleichzeitig ist es nass von außen. Puh!

Nach einer längeren Strecke plötzlich ein Café mitten im nichts. Ein verrückter Typ bedient und macht die besten Tortilla Francesa der Welt. Dazu zeigt sich plötzlich auch wieder die Sonne. Es ist drei Uhr, als wir die 22 Kilometer Zwischenetappe erreichen, das ist spät, aber das dauernde auf und ab kostet einfach Zeit.

Es sind noch zwei weitere Stunden zu gehen. Die ziehen sich ganz schön, aber es geht zum Glück vor allem bergab. Wir landen in einer sehr modernen Herberge, allerdings fehlt das Kochgeschirr und die Teller. Da stehen wir nun mit unseren eingekauften Sachen. Aber mit etwas Improvisation geht alles.
Nur das WLAN fällt in diesem Städtchen leider aus.

Donnerstag, 21. Mai 2015
Von Castroverde nach Lugo

Schlappe 20 Kilometer werden es heute. Nicht besonders viel und auch nicht sonderlich anstrengend. Aber immerhin ist Lugo neben Santiago die einzig größere Stadt, und danach kommt dann eh eine ganze Weile lang nichts.

Wir brechen wieder gemeinschaftlich auf, aber nun ist es mir mit dem Familienverbund schon wieder etwas viel, ich buche mir ein super billiges Hotelzimmer für knapp 30 Euro in einem Hotel im Zentrum.

Trotzdem geht es die meiste Zeit heute im Trupp auf die Walz, wobei Chris mit Muskelproblemen weit zurückfällt und die Koreanerin Hanna solidarisch bei ihm bleibt. Der Rest flitzt zügig Richtung Stadt. Unterwegs gibt es weder Bar noch Café, nur einige Automatenstationen. An der ungekrönten Kaiserin aller Automatenstationen machen wir Halt. Es gibt sogar einen Mini-Ofen und eine Mikrowelle, in der man sich die Lasagne oder Paella aus dem Automaten heiß machen kann. Wir bleiben allerdings beim Kaffee.

Lugo beginnt ganz schlagartig. Eben noch im Grünen, steht man plötzlich vor ziemlich hässlichen Massen von Mietwohnungen, die glücklicherweise schnell vergessen sind, weil der historische Stadtkern beginnt. Ich suche und finde mein Hotel, die anderen ziehen zu ihrer Jugendherberge weiter.

Eine heiße Dusche später treffen wir uns zum großen Fressen, der Spanier Jose lotst uns mit Telefon-Tipps von seinem Bruder in ein tolles Restaurant. Klasse Essen in drei Gängen inklusive Bier und Espresso für 8,50 Euro. Spitze!

Die Herrschaften ziehen sich anschließend zur Siesta zurück, aber ich bin nicht müde und schaue mir die Kathedrale an. Ich bekomme eine ausführliche Privatführung in der Kirche und bekomme jede Reliquie erklärt. Es gibt sogar ein Stück vom Heiligen Kreuz, so winzig, dass mit die Führerin erklären muss, wo es denn ist.

Anschließend umrunde ich die Stadt mit einem Spaziergang auf der römischen Stadtmauer.

Freitag, 22.Mai 2015
Von Lugo bis Melide


Okay, ich bin heute verdammte 47,7 Kilometer gelatscht. Und um ehrlich zu sein: es war grandios. Aber der Reihe nach.
Am gestrigen Abend hat sich unsere Kleingruppe zum letzten Mal getroffen. Kanada-Chris kam erst spät mit der Koreanerin Hannah in die Stadt gehumpelt, immerhin haben wir uns nochmal alle auf ein Bier gesehen, um uns ordentlich von Melpo, unserem britischen Gruppenmitglied, zu verabschieden. Am nächsten Morgen wollte sie den Bus nach Santiago nehmen. Eine exzessive Party war das nicht gerade, kein Wunder, denn der Rest der Truppe wollte ja am nächsten Tag gewohnt früh weiter.

Dank meines luxuriösen Hotelzimmers konnte ich noch auf einem 22 Zentimeter Bildschirm das Halbfinale des Grand Prix d’Eurovision sehen, was mich mental so aufgewühlt hat, dass ich nicht einschlafen konnte.

Also stand ich am nächsten Morgen prompt eine halbe Stünde später auf, als geplant. Verrückt.

Schnell noch eine Café con Leche und ein Croissant, dann los auf den Weg. Aber wo ist der eigentlich? Die Kathedrale ist ja immer ein guter Tipp, aber da sind einfach keine Pfeile zu entdecken. Eine Spanierin zeigt irgendwo ins Off und, ach ja, ein junger Landsmann läuft voraus, dem folge ich doch einfach. Zweimal mache ich also auch seine Irrwege mit. Na, da übernimmt Camino-Kuchel doch lieber selbst und spürt die Markierungen auf.
Das klappt auch ganz gut, es sind immer frische Pfeile vorhanden. Aber da war doch was mit den zwei Routen, Nord und Süd. Und die eine war doch 26 Kilometer länger….

Eine Weile kann ich nicht feststellen, auf welchem der Wege ich nun bin, aber ich scheine zunächst auf dem falschen zu sein. Warum auch immer, über einige Abzweigungen und Verbindungen lande ich schließlich auf dem richtigen. Ich bin beruhigt, dass die Namen der Dörfer zumindest ansatzweise zu der Routenbeschreibung passen.

Nach 45 Minuten ist von der Großstadt Lugo nichts mehr zu spüren. Ich bin wieder im Grün angekommen, die Strecke wird minütlich hübscher. Ein verschlafenes Dorfcafe etwas abseits vom Weg lädt zum Kaffee ein, die Landsfrau holt selbst gemachten Käse aus dem Kühlschrank und macht mir ein erstklassiges Bocadillo.

Und die Strecke wird schöner und schöner. Hohlwege, Eukalyptusbäume, Wiesen und immer wieder Bauern, die am heutigen Tag Heu machen. Kein Wunder, denn es zeigt sich keine einzige Wolke am Himmel.

Langsam werde ich übermütig: vielleicht einfach weitergehen, bis Melide möglicherweise? Eigentlich war As Seixas geplant, immerhin auch schon 35 Kilometern. Und dort sind ja auch die beiden Restspanier aus meiner Gruppe. Ich vertage die Entscheidung, gehe dann aber in As Seixas einfach weiter. Obwohl es schon 16 Uhr ist. Aber 15 Kilometer, die schaffe ich schon noch. Erstaunlich, wie leicht mir das heute fällt. Um 19.30 bin ich dann nach etwa 11 Wanderstunden in Melide, und treffe dort auf den Punkt, wo der Primitivo auf den Camino Frances trifft.

Das ist sofort zum spüren, denn hier ist nicht nur plötzlich so deutlich mehr los, sondern die Liste sind auch irgendwie von einem anderen Schlag. Wahnsinn, wie viele deutsche Stimmen ich höre. Ich frage mich, ob ich in dieser Massenwanderung noch Spaß haben werde.

Die negativen Gedanken vertreibt der Hunger. Und natürlich gehe ich in die Pizzeria, in der ich vor zwei Jahren mit meinem alten Kumpel Uwe mal war. Und tatsächlich: der Kellner ist noch derselbe und die Pizza genau so mittelmäßig wie sonst.

Melide hat sich übrigens kaum verändert, allerdings gibt es jetzt etwa 5 neue Herbergen. Da nehme ich doch mal eine davon. Sie heißt San Anton und ist echt ganz gut. Da kann ich auf die 156-Betten-Herberge nebenan diesmal gern verzichten.

Samstag, 23.Mai 2015. Von Melide nach…..Santiago!

Unglaublich, aber trotz der langen Tour gestern fühle ich mich fit und ausgeruht. Obwohl das Profi-Schnarch-Pärchen von gegenüber sich redliche Mühe gibt, mich vom Schlafen abzuhalten. Ich frühstücke in meiner Herberge „San Anton“ und mache mich dann gemütlich auf den Weg.
Und ich merke gleich, dass viel mehr Pilger unterwegs sind, als an den Tagen zuvor. Kein Wunder, denn es kommen ja nun die ganzen Leute vom Camino Frances hinzu. Ich würde es noch nicht als unangenehm bezeichnen….aber vielleicht doch. Irgendwie habe ich mich wohl auf eine andere Frequenz eingeschwungen.

Jedenfalls versuche ich Abstand zu halten und Gelände zu gewinnen. Was ich im letzten Jahr zum ersten Mal wahrgenommen  habe, verstärkt sich immer mehr: der Punkt, an dem die Kommerzialisierung des Weges der Atmosphäre und dem Charakter des Camino schadet, ist erreicht. Die vielen privaten Herbergen treten zunehmend in einen ungesunden Wettbewerb, ganz zu schweigen von den vielen Bars und Cafés. Was machen die wohl außerhalb der Hochsaison? Jedenfalls: es gibt inzwischen auf dem Frances sicher bessere Ideen, als eine Herberge zu eröffnen. Auf dem Primitivo dagegen, da würde mir noch der eine oder andere Fleck einfallen.

Gerade als ich darüber nachdenke, komme ich an einem Haus vorbei. Ich entdecke einen Umzugswagen mit deutscher Aufschrift. Draußen am Haus hängen Zettel. Rolf und Heidi werden hier künftig Bio-Alpacas züchten. Ich kann mich zwischen Respekt und Verachtung nicht so recht entscheiden und komme 50 Meter später auf die Riesen-Baustelle, deren langsamen Fortschritt ich schon seit vielen Jahren beobachte. Eine inzwischen fertige Brücke spannt sich über das schon gegrabene Bett für eine Autobahntrasse. Ganz so ruhig werden es die Alpacas in Zukunft wohl nicht haben.

Gleich nach der Brücke steht ein Auto. Ein feister, freundlicher Herr steigt aus und reicht mir einen Zettel. Werbung für das Café Tia Dolores. Ich erinnere mich, dass mir auf früheren Touren hier immer ein älterer Mann entgegen gekommen ist, der allen Pilgern erzählte, dass man dort unbedingt hin müsse. Und vor zwei Jahren war das Cafe plötzlich zu vermieten. Wie es scheint, hat die Familie den Betrieb nun wieder aufgenommen.
Natürlich mache ich schon aus alter Verbundenheit Halt und bestelle eine Empanada. Und ich habe auch kräftig Hunger, denn in Arzua war der Pulpo-Stand, auf den ich gehofft hatte, noch geschlossen.

Ich laufe weiter und weiter, komme durch viele Dörfer, die ich kenne. Ribadiso zum Beispiel. Hübsch an einem Fluss gelegen.

Aber natürlich treffe ich keinen meiner Mitwanderer vom Primitivo, die hängen zu weit zurück. Jose schickt mir ein Foto und fragt, wo ich bin und wo ich noch hin will. Ich schreibe „so weit ich komme“ und schicke ihm dazu das Foto eines eiskalten Cervezas, an dessen Glas das Wasser kondensiert und Tropfen bildet. „You are a machine“, antwortet er.
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Und ich laufe weiter. Das Wetter ist so gut, die Strecke einfach. Und der Weg leert sich immer mehr, weil die Pilger ankommen an ihren Tageszielen und sich in den Herbergen ausruhen. Und leerer ist besser. Und ich laufe und laufe und laufe. Die Bäume rauschen, und wenn ich die Blätter vom Eukalyptus in der Hand zerreibe, dann riecht es nach Gesundheit.

Kurz vor dem Monte de Gozo sehe ich eine Herberge, die mir spontan gefällt. „Full“, brüllt eine Frau mir entgegen. Also weiter bis zum Monte, dort wo man traditionell die letzte Nacht verbringt, bevor man die letzten fünf Kilometer nach Santiago geht. Ein hässlicher Betonbau mit angehängter Kunst, bereit, um Tausende Pilger aufzunehmen.
Aber nicht mich. Ich buche mir ein Hotel in der Nähe des Zentrums von Santiago. Es ist inzwischen halb acht, die letzten paar Kilometer werde ich auch noch schaffen. Kurz vor dem Ziel merke ich zum ersten Mal ein leichtes Ziehen im Bein. Okay, es reicht. Ich nehme den direkten Weg ins Hotel, zur Kathedrale schaffe ich es nicht mehr. 56 Kilometer bin ich heute gelaufen. So viel wie noch nie. Ich schreibe Jose. Die Antwort kommt schnell: “ You are a machine“

Sonntag, 24.Mai 2015
Von Negreira nach Finisterre


Die Einreise ins Hotel hat sich am gestrigen Abend noch eine Weile hingezogen. Am Hotel stand zunächst mal „completo“, was mich zugegebenermaßen etwas unruhig machte. Den Rezeptionisten musste ich dann vor dem Fernseher aufsammeln.
Nun könnte man meinen, es sei klar, dass die meisten Menschen, die in ein Hotel kommen, ein Zimmer bestellt haben und dort rein wollen. Dem Herrn war das allerdings nicht so klar. Ich zeigte auf die Buchungsbestätigung auf meinem Handy, er dachte wohl, ich wolle mein Smartphone reparieren lassen.

Zehn Minuten hat es gedauert, bis er drauf gekommen ist, dass ich in der Tat ein Gast sein könnte. Trotz meiner vehementen Versuche, ihm immer wieder klar zu machen, dass ich KEIN Spanisch spreche, redete er munter weiter.  Manchmal, wenn die Verzweiflung in meinem Gesicht zu offensichtlich war, wiederholte er den Sermon etwas langsamer. Was mir das Verständnis überraschenderweise allerdings nicht erleichterte.
Und es hielt ihn auch nicht davon ab, dem Typen, der stehend k.o. vor ihm stand und sich einfach nur ins Bett fallen lassen wollte, stundenlang auf SPANISCH die Fernbedienung des TV-Geräts zu erklären. Ich war sehr nah dran, in Spanien straffällig zu werden.

Am nächsten Morgen kam ich doch sehr schwerfällig aus dem Bett. Die Beine waren sehr schwer. Ich beeilte mich, zum Pilgerbüro zu kommen, denn dort wollte ich fix meine Urkunde holen ohne stundenlang in der Schlange zu stehen. Das klappte glücklicherweise ganz gut. Nach zehn Minuten hatte ich meinen Wisch: übrigens in einem neuen Design. Und: gegen eine kleine Aufwandsentschädigung von 3 Euro gab es sogar noch einen erweiterten Wisch mit Kilometerangaben und….ja mehr eigentlich nicht. Und dann raus, schnell noch einen Kaffee und auf den Kathedralenplatz. Dann rein zum alten Jakob. Ach ja: es ist gerade Pfingsten. Deswegen rechnet man natürlich mit Terroranschlägen (weil Terroristen da wahrscheinlich auch frei und Zeit zum Basteln von Bomben haben). Soll heißen: der Rucksack darf nicht in die Kathedrale. Netterweise hilft mir ein deutscher Volunteer, eine Gepäckaufbewahrung zu finden. In der Kathedrale sehe ich ihn später wieder, dann allerdings im Talar als Besetzung des Beichtstühle. Gerade nochmal davongekommen.

Ich streichle wie immer zum Abschluss der Jakobsfigur den Kopf und statte auch der Krypta einen Besuch ab, dann mache ich mich aber auf nach Finisterre. Ich spüre meine Knochen, meine Füße sind müde von den letzten beiden Tagen. Diese Strecke bin ich vor über zehn Jahren mal gelaufen, ich erkenne allerdings nichts, aber auch gar nichts wieder.

Die Strecke ist nicht sonderlich schön, zu viele Teerstraßen. Und es geht auch dauernd aufwärts. Nach 23 Kilometern erreiche ich Negreira, dort gehe ich in die Herberge San Jose. Die hat den Charme einer Besserungsanstalt, ist aber blitzesauber und hat einen hübschen Garten.Zeit zum Wäschewaschen.

Montag, 25.Mai 2015.
Von Negreira bis Finisterre

Nein, kein Gewaltmarsch heute. Unterwegs überlege ich mir, dass jegliche Wandertaktik zum Fußpilgern bis Finisterre am Ende auf Terminnot hinauslaufen würde. Also muss es anders gehen.

Heute plane ich noch eine volle Etappe, dann nehme ich einen Bus bis nach Finisterre, um mir dort am „Ende der Welt“ noch den Sonnenuntergang anzuschauen. Angeblich sind ja die Kelten schon hierher gewandert, nachdem sie den Sternen der Milchstraße gefolgt sind (daher auch Sternenweg). Vielleicht ist aber auch das nur Folklore, so wie Jakob in seinem Silbersarg.

Der Weg ist deutlich schöner als Tags zuvor, trotzdem gibt es noch ziemlich viel Asphalt. Der Schönheit wegen muss niemand mehr die 100 Kilometer bis Finisterre machen, es geht eher darum, „dort“ anzukommen.

Mir ging es ja eher darum, den Pilgermassen in Santiago etwas zu entgehen. Doch daraus wird nichts. Eine Schlange von Leuten zieht über den Weg. Später entspannt es sich wieder etwas, bis ich in den Bars am Wegesrand wieder auf den großen Pulk treffe.

Unterwegs komme ich mit zwei Pilgern aus Augsburg ins Gespräch. Es sei erst auf den letzten 100 Kilometern so voll, sagt einer. Die muss man ja vorweisen, wenn man die Urkunde haben will. Aus der Entfernung sehe ich einen humpelnden Herrn mit grauen Zausellocken. Es ist tatsächlich Chris, der Kanadier, den ich weit hinter mir glaubte. Er ist mit dem Bus bis Santiago, hat sich dort ausgeruht und versucht es nun zu Fuß weiter bis Finisterre. Ich ziehe weiter, denn als Begleitfahrzeug für Humpelpilger kann ich nicht mehr dienen. Ich muss zumindest meine 30 Kilometer noch voll bekommen. Auch das ein oder andere weitere bekannte Gesicht vom Primitivo sehe ich noch wieder. Und Jose schickt eine Whatsapp mit einem Foto: er hat doch tatsächlich den Jürgen getroffen.

In Olveiora ist es dann soweit. Ich beende meinen Weg zu Fuß. 425 Kilometer habe ich diesmal zurückgelegt.
Bus? Gibts nicht. Ich nehme ein Taxi in den nächsten Ort, aber auch von dort muss ich mit dem Taxi weiter. Gegen halb fünf bin ich endlich am Meer in Finisterre. Erst in der zweiten Herberge bekomme ich einen Platz, erst später merke ich, dass es sehr verschimmelt riecht. Es wurde wohl nur frische Farbe drübergeklatscht.

Ich setze mich eine Weile an den Strand, blicke aufs Meer und genieße die Sonne. Schließlich gehe ich noch etwas essen und treffe wieder jemanden, den ich schon kenne. Dietrich aus Bremen. Irgendwie kommen dann doch alle an, auf den unterschiedlichsten Wegen
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In der Herberge gibt es einen Schlüssel, für den Fall, dass man sich den Sonnenuntergang am Kap anschauen möchte. Mache ich doch glatt. Der Wind weht scharf, ich ziehe mich warm an. Gut vier Kilometer muss ich dann doch noch bis zum Kap. Exakt 5 Minuten vor dem Sonnenuntergang komme ich an und bleibe eine Viertelstunde, die sich lohnt.

Ich blicke auf das dunkle Meer und denke beim Blick in den Himmel an den Sternenweg. Über den Küstenweg sind die Kelten damals hierher gekommen. Der Küstenweg – den könnte ich doch vielleicht im nächsten Jahr…….aber das ist eine andere Geschichte.

Und dann drehe ich mich um und laufe zurück. Zum ersten Mal seit 425 Kilometern.