Camino del Norte: Tag 4, von San Vicente nach Pendueles

Donnerstag, 3. Mai 2018
Camino del Norte, Tag 4: von San Vicente bis Pendueles (30 Kilometer)

Es geht gegen halb acht los. Die Sonne geht spektakulär auf, da lohnt sich ein kleiner Umweg für das beste Foto. Ich verlasse die Stadt gut gelaunt, nichts tut weh, da kann der Tag doch nur gut werden. Es geht ziemlich schnell über Landstraßen und Schotterpisten nach draußen in die Wiesen und Wälder. Eine ganze Zeit lang konkurrieren zwei verschiedene Pfeile um die Gunst des Pilgers.

Der alternative Jakobsweg

Während der gelbe Pfeil den Camino del Norte anzeigt, verweist ein roter auf einen eigenen, kurzen Jakobsweg. Der führt unter anderem zu einem Kloster, in dem angeblich die größte Reliquie des Heiligen Kreuzes liegt. Aber ihr wisst ja: es gibt so viele Splitter -- die reichen zusammengenommen sicher für den Bau zweier Arche Noahs.

San Vicente

San Vicente

Dennoch lustig: mein spanischer Pilgerkumpel Jose vom Primitivo will ab heute eben diesen Weg gehen. Er schickt mir eine Nachricht, weil er meine Bilder bei Facebook gesehen hat, doch er startet in Santander, da bin ich ja schon längst zu weit entfernt. Scheint aber interressant zu sein und geht zu den Picos de Europa hoch. Also vemutlich ziemlich steil.Werde ich mir mal genauer anschauen, wenn ich wieder zuhause bin.

Die ersten Kilometer

Die ersten Kiometer

Bis gegen Mittag regnet es immer mal wieder, ich mache dann einfach irgendwo eine Kaffeepause. Kurz nach Unquera verlasse ich nun Kantabrien und laufe in Asturien ein. Schlagartig wird das Wetter besser und so langsam kommt auch ein Gefühl von Wärme auf. Schon nach kurzer Zeit ändert sich auch die Landschaft, glücklicherweise habe ich auch den ganzen Tag keine Industrie mehr auf dem Weg gehabt. Wie schön.

Wieder begegnen mir unterwegs kaum andere Pilger. Ein Schweizer und ein Kanadier, die schon gestern Abend in der Herberge waren, laufen mir aber gelegentlich über den Weg. Auf dem Camino Frances muss es allerings zeitgleich schon eine ziemliche Hölle sein, in St Jean und Roncesvalles müssen sie wegen Überfüllung schon wieder die Zusatzhallen öffnen. Wenn das schon Anfang Mai so ist, dann Gute Nacht!

Der alternative Weg

Der alternative Weg

Dann muss ich genau auf die Route achten: mein Reiseführer empfiehlt, ab einer bestimmten Stelle von der Landstraße abzugehen, um direkt an der Küste entlangzulaufen. Und weil ich so gut aufpasse, entdecke ich vielleicht auch die kleine Schlange, die sich auf dem Weg sonnt. Was auch immer das für ene Art ist: sie lässt sich gern fotografieren.

Den beschriebenen Abzweig finde ich, es sind zwei gelbe Pfeile auf dem Boden - allerdings hat jemand beide mit schwarzer Farbe übermalt. Und: der im Führer angegebene Straßenkilomer stimmt auch nicht. Bin ich hier richtig? Um es kurz zu machen: ja. Warum die Pfeile übermalt sind, kann nicht feststellen. Vielleicht sind es die Kühe, die da unten auf der Weide stehen und ahnungslose Pilger sofort angreifen? Mein Tipp für euch jedenfalls: unbedingt hier abgehen! Es ist nicht wie im Joos-Guide angegeben der Kilometer 287 sondern 278. Hier geht ihr über Schienen und dann über einen Zaun. Was folgt, ist eine fantastische Sicht auf die raue Küste. Echt spektakulääääär!

Ich bleibe hier eine ganze Weile. Es ist niemand dort, nur einen lärmende Ausflugstruppe mit ungefähr 49 lärmenden spanischen Schulkindern. Glück muss man haben. Aber ein paar Schritte weiter, schon bin ich wieder allein mit der Küste und mir. Da packe ich doch glatt mal meine Drohne aus. Ich habe zwar keine Ahnung vom Fliegen, aber ein paar gute Bilder wird es schon hergeben.

An der Küste

An der Küste

Fast eine Stunde bleibe ich vor Ort, dann gehe ich weiter bis Pendueles, mein Ziel für heute. Eigentlich will ich in die Casa Flora, denn die haben auf dem gesamten Weg heute Werbezettel aufgehängt. Aber am Ortseingang begegnet mir der Schweizer wieder und lotst mich zur Herberge von Javier. Javier wohnt in seiner Herberge Aves de Paso und ist die Gastfreundlichkeit in Person. Er kocht für seine Gäste, die Bude ist picobello sauber und gemütlich, die Duschen sind heiß. Und: das Ganze ist auf Spendenbasis.

Um es nochmal zu sagen: wer meint, sich in solchen Spenden-Herbergen durchzunassauern, macht tollen Leuten wie Javier das Leben schwer. Also bitte: gebt, gebt was ihr könnt, nicht weniger.

An der Küste

An der Küste

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