Santillana del Mar

Camino del Norte: Tag 2, von Santander nach Santilana del Mar

Dienstag, 1. Mai 2018
Von Santander bis Santillana del Mar (30 Kilometer plus 10 mit der Bahn)

Um 6 Uhr komme ich aus dem Bett, mein erster Blick geht aus dem Fenster. Klar, es regnet, allerdings nicht allzu heftig. Man muss sich halt auch über kleine Fortschritte freuen können. Die Entscheidung, das Industriegebiet mit dem Zug zu überspringen, fällt da um einiges leichter. Also laufe ich zunächst die halbe Stunde zum Bahnhof. Der Mann am Schalter schickt mich zum Zweitbahnhof um die Ecke, offenbar fahren hier die kleinen Regionalbahnen. Tatsächlich gelingt es mir, auch ohne anwesendes Personal den passenden Zug herauszubekommen. Eines von den 2345 Hinweisschildern ist der richtige Fahrplan für mich.

Eisenbahnbrücke

Die legendäre Eisenbahnbrücke

Ich muss nicht lange warten, der Zug setzt sich in Bewegung, Es sind ohnehin nur vier Stationen und ich bin nach rund zehn Minuten schon in Bezana. Als ich aussteige, sehe ich zum ersten Mal andere Pilger, warum also lang nach dem Weg suchen. Ich folge ihnen unauffällig und latsche an den Bahnschienen entlang. Die führen mich endlich auch zur legendären Eisenbahnbrücke, von der in allen Camino del Norte Berichten zu lesen ist. Das Geheimnis: geht man über diese für Fußgänger verbotene Brücke, spart man fast 8 Kilometer Umweg ein. Nun geht es mir nicht so sehr um den Umweg, sondern vielmehr um die Tatsache, dass ich am ersten Tag nicht gleich 40 Kilometer gehen möchte. Also wage ich es. Und natürlich kommt auch gerade, als ich drauf bin, ein Zug vorbei. Aber nun mal ganz ruhig: links und rechts ist eine Menge Platz. Und als würde sich der Himmel über meinen Heldenmut freuen, macht er ganz auf Blau. Tatsächlich hört der Regen auf und es wird nach und nach immer wärmer. Dann heiß.

Die Landschaft ist wunderbar, softe Hügel tauchen in Grün. Auch das Meer sehe ich von weitem. Da lasse ich doch glatt mal die Drohne zum Jungfernflug los. Die Bilder stelle ich später rein. Blöd nur, dass mein Bein irgendwie Mucken macht, es zieht herunter bis zum Unterschenkel. Na ja, körperlicher Verfall vom vielen Schreibtischhocken. Dadurch bin ich ganz schön langsam, mache immer wieder mal ein Päuschen. Andere Pilger begegnen mir kaum. 

In Miengo

In Miengo

Leider ist auf dem Norte aber auch nicht alles Gold, es häufen sich Gebiete mit hässlichen Industrieanlagen. Highlight ist eine Chemie-Pipeline, die mich fast fünf Kilometer begleitet.Nach den großartigen Natur-Erfahrungen im letzten Jahr im Baskenland ist das etwas befremdlich. Wer sich also auf den Nordweg vorbereitet, sollte das im Hinterkopf behalten. Die kleinen Städte und Dörfer sind denn auch unspektakulär und leicht seelenlos.

Mein Zielort für heute ist dann wieder der totale Kontrast: Santillana del Mar (liegt weder am Meer, noch gibts hier irgendetwas Heiliges) ist ein sehr hübsches historisches Städtchen, in dem der Denkmalschutz früh genug zugeschlagen hat. Entsprechend viele Touristen tummeln sich vor Ort. Und alle zwei Meter verkauft ein Shop Quesadas, ich muss noch herausfinden, was das eigentlich genau ist. Sieht mir nach Kuchen aus. Wenig attraktiv, also muss ein Schoko-Dings herhalten, das sehr wahrscheinlich mehr Kalorien hat, als ich in meinem Restleben noch verbrauchen kann.

Santillana del Mar

Santillana del Mar

Meine Herberge für heute war gar nicht so einfach zu finden, dann entdecke ich sie doch in einem Hinterhof. Zwei Räume a acht Betten, bisher sind nur zwei weitere Deutsche dort. Um Punkt 16 Uhr kommt der Dorfpolizist vorbei um sie aufzuschließen. Er weist noch darauf hin, dass die Heizung ausgefallen sei. Heizung? Wer braucht denn so was? Kein Grund, dort nicht einzuziehen. Er verspricht , dass die Dusche heiß ist, und er verspricht damit nicht zu viel. Sie ist genau genommen nur heiß.

Anschließend schaue ich mir die Ortschaft genauer an, schreibe ein wenig und überlege schwer, welches der Restaurants heute meinen Zuschlag bekommt...

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