Pilgerstein

Camino del Norte: Tag 10, von Cudillero nach Cadavedo

Mittwoch, 9. Mai 2018
Von Cudillero bis Cadavedo (ca. 30 Kilometer) 

Pilgerstein

Kein schönes Wetter

Was für ein Tag: während sich in Deutschland alle über den frühen Sommer freuen, ist hier in Spanien der Herbst zurückgekehrt. Als ich am Morgen das Fenster meines Hotels öffne, schlägt mir kalter Regen entgegen. Da kann ich also gleich mit Regenjacke in den Tag starten. Aussitzen bei einem Cafe von Leche klappt diesmal nicht, es regnet nur noch mehr.
Ich habe zunächst sogar Schwierigkeiten, aus Cudillero herauszufinden und muss Google Maps bemühen. Über schnöde Schnellstraßen komme ich irgendwann auf den richtigen Weg zurück. Es sind einige Pilger auf dem Weg, schon wieder sind viele neue Gesichter dabei. Aber einige schon bekannte sehe ich auch.

Moos

Moos aus der Elfenwelt

Regina aus Frankfurt zum Beispiel. Die kenne ich schon aus der Öko-Herberge von letzter Woche. Wir gehen gemeinsam ein Stück und entscheiden uns an einem Abzweig mit zwei Varianten für diejenige, die mehr Abenteuer verspricht. Interessanterweise handelt es sich dabei um die Hauptroute, von der der Reiseführer aber abrät. Er sei "etwas steiler", verspricht bei "gutem Wetter" schöne Aussichten und sei "nicht so gut markiert". Was das heißt, wissen wir einige Stunden später sehr gut.

Anfangs sind die Markierungen noch gut, offenbar sind sie erst vor kurzem neu gesetzt worden. Ist der Reiseführer also vielleicht einfach nicht auf aktuellem Stand? Ist er doch, denn sie werden in der Tat zunehmend schlechter, ebenso wie das Wetter. Es nieselt stark, der Nebel hat sich zu Wolkenbänken zusammengezogen, von der Sicht ist bestenfalls zu erahnen, dass es hier mit ewas Sonne wunderschön sein muss. So allerdings ist der Weg eher eine Herausforderung. Zumal der Weg auch kein richtiger Weg mehr ist. Man klettert eher voran, vor allem, weil dicke Pfützen das Laufen sehr kompliziert machen. Dazu kommt, dass die Strecke sehr eingewachsen ist.

Nebel

Nebel, Nebel, Nebel

Und weil das Gras so nassgesaugt ist, sind es bald auch meine Schuhe. Gore-Tex? Gibt auf. Irgendwann laufe ich nur noch wie in Wasser, meine Schuhe machen bei jedem Schritt ein schmatzendes Geräusch. Dazu ist es kalt und dunkel. Puh, das hatte ich mir anders vorgestellt.

Außer Regina und mir ist hier höchstens noch der Hund von Baskerville unterwegs, der Nebel macht die Szene fast ein bisschen gruselig. Und irgendwie wird aus "etwas steil" mehr und mehr ein Reinhold-Messner-Gedächtnistraining. Furchtbar anstrengend und ermüdend, dazu eine Streckenführung, von der man sich manchmal etwas verschaukelt fühlt. Nervt also etwas, diese Variante.

Nebel

...und noch mehr Nebel

Ich brauche wahnsinnig lange, auch da habe ich mich verkalkuliert. Erst gegen 17 Uhr stellt sich das Gefühl ein, dass jetzt wirklich der Abstieg beginnt. Der geht steil runter und haut auf die Knie. Oh Mann, ich möchte meine Füße nicht sehen, wenn ich die nach x Stunden aus den nassen Socken hole. Es ist 18 Uhr, als wir auf planer Straße stehen. Wie schön sich Asphalt anfühlen kann. (Mal ganz im Ernst: wenn es regnet, solltet ihr dieses Variante nicht gehen. Ich habe schon viele anstrengende Etappen auf meinen Jakobsweg gehabt. Aber diese hier ist einfach zu gefährlich, weil das Gekletter schnell dazu führen kann, dass man umknickt. Und dann kann einem hier niemand helfen, denn hier gibt es auf 20 Kilometer keine Siedlung und kein Haus).

Die Herberge vor Ort bietet einen Abholservice, wir nutzen ihn, als wir zwei Kilometer vor dem Ziel sind. Der Fahrer lacht, als er hört, welchen Weg wir gegangen sind. "It's a mistake", sagt er. Ja, da hat er Recht. War nicht so schlau. Dafür ist die Herbergsanlage vom Feinsten. Die "Casa Carina" besteht aus Einzelhäusern, in denen die Pilger maximal zu viert untergebracht sind. Mit eigener Küche und Wohnzimmer. Purer Luxus für 15 Euro. Als wir hereinkommen, kocht Joey schon sein Abendessen. Den kenne ich ebenfalls aus der Öko-Herberge. Nett hier. Ich bin auch gern bereit, 5 Euro Aufpreis für das Anschalten der Heizung zu bezahlen, denn irgendwie müssen die Schuhe ja trocken werden. Der nette Hospitalero bietet an, Wäsche zu waschen. Nehme ich gern an, denn alles ist irgendwie nicht nur dreckig, sondern auch klamm.

Jetzt erstmal heiß duschen und dann was beißen. Spaghetti mit Soße. Lecker. Fertig.

Ich sitze noch eine Weile draußen bei den anderen Pilgern. Fast alles Deutsche, für mich alle unbekannt. Eine halbe Stunde Grundsatzdiskussionen über Religion, bringt mich heute aber nicht so weiter, denn ich bin viel - zu - müüüüde.

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