Santander

Camino del Norte: In Santander

Montag, 30. April 2018
Camino del Norte: In Santander

Es geht los, ich bin ein bisschen aufgeregt. Den Wecker habe ich auf 4.45 Uhr gestellt, aber ich wache mehrfach auf und bin dann trotzdem noch vor dem Wecker bereit. Eine schnelle Dusche, ein noch schnellerer Kaffee. Ich verabschiede mich von meiner kleinen Familie und steige in das überpünktliche Taxi. Gut, dass ich nie früh genug am Flughafen sein kann. Denn wer sich fragt, wie Billigfluglinien noch Gewinn machen, kann sich am Eurowings-Schalter von Hamburg ein Bild davon machen: die Schlange geht bis zum Eingangsdrehkreuz. "Noch jemand nach Wiiiiiiieeeeen?" brüllt eine der Einpeitscherinnen und versucht, so etwas wie Ordnung in die Überlastung zu bringen. 

Eurowings

Nach Stuttgart geweht

Also rein in den Flieger und gut angeschnallt, denn die Ausläufer des  Unwetters von gestern versprechen einen kirmesartigen Spaß, der mir als begeistertem Nicht-Flieger schon jetzt den Morgenkaffee in Wallung bringt. Tatsächlich wird die Landung in Stuttgart recht ruppig, aber was soll's.

Von dort geht es kurz danach weiter nach Bilbao. Dass die Gleichung Spanien gleich warm gerade nicht aufgeht, zeigt sich schnell. Es ist kalt, schlappe neun Grad, der Regen tut sein Übriges zum mauen Einstieg. Am Busbahnhof lungern eine Menge anderer Pilger herum, die einem ungefragt ihre schönsten Erlebnisse um die Ohren hauen. Ein Übermaß an deutschem Lokalkolorit auf den ersten Metern. 

ALSA = Top-Busse always!

Weiter nach Santander

Eine gute Stunde schaue ich dem Regen zu, dann fährt mein ALSA-Bus ein. Ein "SupraE", wie wir Profis wissen. Heißt: geht besonders schnell und hat WLAN an Bord. Ein wenig störend wirkt die Frontscheibe, die mehr Risse hat, als der Sankt Andreas Graben. Na, Hauptsache das WLAN läuft. Der Fahrer hat die Heizung angestellt, der Regen wirft sich kamikazeartig gegen die Scheibe. Draußen zieht die grüne Küste an mir vorbei, ich erkenne hier und da die Orte vom letzten Jahr und erinnere mich an die Strapazen von so manchem Aufstieg. Das Grün ist so wahnsinnig satt und nass, man möchte sich sofort da hinein wuppen. So langsam juckt es mir trotz des schlechten Wetters in den Füßen.

Wir fahren in Santander ein, keine Schönheit, diese Stadt. Irgendwann hat mal ein Tornado viel davon kaputt gemacht, in den Vierzigern wohl. Der Neubau ist so mäßig gelungen. Mein Hotel ist dann doch irgendwie eine ganze Ecke weg vom Busbahnhof, da war ich bei der Auswahl nicht allzu schlau. Eine gute halbe Stunde bin ich unterwegs, in einen Stadtteil, der bestimmt nur der drittbeste ist und dazu noch ziemlich hoch liegt. Lustigerweise haben die Santanesen einige Rolltreppen und eine Art Bergbahn angelegt, damit sich überhautp jemand dorthin verirrt. "Rocamar" heißt mein Schuppen - und er ist um den Faktor 10 besser als erwartet. Fast schon eine kleine Wohnung, mit Küchenecke und Besuchercouch. Besonders toll aber: der Mann an der Rezeption ist super nett und hilfsbereit. Er macht mir meinen ersten Stempel in den Pilgerausweis und schickt mich zum besten Supermarkt am Plazte. Ich habe nämlich keine Lust auf Restaurant und mache mir ieber ein paar Nudeln auf dem Zimmer, während auf der Glotze "Rambo" auf Spanisch läuft.

Bergbahn Santander

Bergbahn in Santander

Anschließend kommt der Gepäck-Check, denn zuhause habe ich alles nur schnell reingeworfen. Will doch mal sehen, was ich diesmal alles vergessen habe. Ausgerechnet die Packung mit den gesammelten Aufladegeräten will partout nicht erscheinen, ich fluche laut. Doch dann taucht sie doch noch aus diesem versteckten Fach auf, von dem ich mich zuhause noch fragte, wer da wohl etwas reinpacken würde. Der Tag ist mein Freund.

Santander

Sonne in Santander

Es hat aufgehört zu regnen, am Horizont sehe ich sowas wie die kleine Schwester von der Sonne. Morgen wird bestimmt ein Top-Tag! Ich bin nur noch nicht sicher, wie ich von hier wegkomme und ob ich wirklich zehn Kilometer durch das Industriegebiet gehen will....

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